· 

Keine Baugenehmigung? Das geht!

Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Ich erkläre lediglich meine persönliche Situation und nehme auf einige Regeln, Verordnungen und Gesetze Bezug.

Ich hatte nie die Absicht, ohne Baugenehmigung zu bauen. Klar war, ich wollte ein Tiny House, in dem ich auch drin wohnen konnte. Da noch jedes Haus, welches ich in der Bauphase gesehen habe, einen "roten Punkt" hatte, also eine Baugenehmigung, bin ich immer davon ausgegangen, dass es einer solchen Genehmigung bedarf, wenn man baut. Dem ist jedoch gar nicht so.

Die Regeln in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg – dem Bundesland, dessen Regeln für mein Bauvorhaben gelten – gilt bei Bausachen die Landesbauordnung. Hierin ist alles vermerkt, was man grundsätzlich zum Bauen wissen muss. Wo darf gebaut werden, was darf gebaut werden, wer darf bauen, wer muss informiert werden ... All das regelt grundsätzlich die Landesbauordnung. Sie ist jedoch nicht alleine. Es gibt für einzelne Bereiche des Baus wiederum Gesetze und Normen, diese spielen für die Baugenehmigung selbst jedoch zunächst eine untergeordnete Rolle. Zusätzlich zu den Regeln der Bauordnung können einzelne Städte und Gemeinden weitere Regeln erlassen. Dazu gehören die Bebauungspläne. Hierin wird genau festgelegt, wo auf einem Grundstück was errichtet werden darf. Es gibt klare Vorgaben zur Flächennutzung, zur maximalen Höhe von Gebäuden und dazu, wie viel m2 des Grundstückes überhaupt bebaut werden dürfen. Wer baut, muss sich in erster Linie also an die Landesbauordnung und den Bebauungsplan halten.

Meine Situation

In meinem Fall werde ich auf einem Grundstück bauen, auf welchem noch Platz für Wohnraum ist. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung. Auch muss ich auf die Abstandsregeln zu den Nachbargrundstücken Rücksicht nehmen. An meinem zukünftigen Bauplatz steht derzeit bereits ein Gartenschuppen, welcher abgerissen werden soll. Ein weiterer Pluspunkt, denn dieser Schuppen war bereits genehmigt und das Tiny House wird kleiner sein. Ein Vergrößern des Gebäudes wäre deutlich problematischer. Verkleinern hingegen wird nahezu immer geduldet. Die Nachbarn, welche freie Sicht auf das Tiny House haben werden, sind bereits über das Vorhaben informiert und stehen dem Projekt positiv gegenüber. Vor Baubeginn werden sie jedoch genauer über das Vorhaben und das Aussehen des Tiny Houses informiert und dürfen Einwände vorbringen. So, wie dies auch bei einem Bauantrag der Fall wäre. Entscheidend für die baugenehmigungsfreie Herangehensweise ist jedoch die Landesbauordnung.

Verfahrensfrei, aber mit Auflagen

Die Landesbauordnung spricht in § 50 von "verfahrensfreien Vorhaben" und bezieht sich dabei auf alle, im Anhang genannten Bauvorhaben. Die Errichtung dieser Gebäude darf ohne Genehmigung oder Mitteilung an die Gemeinde erfolgen, sofern nicht andere Gesetze dagegensprechen. Wer also ein verfahrensfreies Bauvorhaben an eine Stelle baut, an welcher nicht gebaut werden darf, bekommt Ärger. Baut er hingegen dort, wo auch gebaut werden darf, ist alles in Ordnung.

Was steht nun aber in diesem Anhang? Dort sind jede Menge Bauvorhaben aufgeführt, die allesamt keine Genehmigung benötigen. Für mich ist jedoch nur eines davon wichtig.

"Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten [...] im Innenbereich bis 40 m3 [...] Brutto-Rauminhalt"

Anhang zu § 50 Abs. 1 Landesbauordnung (Baden-Württemberg)

Das bedarf einiger Erklärung. Zunächst wäre da der Brutto-Rauminhalt. Dabei handelt es sich um das Volumen des Gebäudes (ohne Dachüberstand). Dabei sind die Außenmaße entscheidend. Dieses Volumen darf nicht größer als 40 m3 sein. Wenn man das mal in Relation setzt, so hat ein Raum mit einer Deckenhöhe von 2,30 m und einer Grundfläche von ca. 4 x 4 m einen Netto-Rauminhalt von etwas weniger als 40 m3. Der Brutto-Rauminhalt zählt also noch die Wandstärke hinzu und lässt auch das Dach und den Boden nicht weg. Bei meinem Bauvorhaben kommen wir so auf eine Grundfläche von ca. 13 m2, wovon ich nach Abzug der Wandstärke noch etwa 11 - 12 m2 Wohnfläche zur Verfügung habe. Ohne Loft, versteht sich, denn dadurch würde sich das Gebäude wieder vergrößern und die 40 m3 überschreiten. Selbst für ein Tiny House sind 11 - 12 m2 sehr wenig, weshalb ich dieses Projekt auch Mini Tiny House genannt habe.

Toiletten und Feuerstätten sind deutlich einfacher zu verstehen. Dabei handelt es sich um ortsfeste Gegenstände, also solche, die fest eingebaut sind. Eine Toilette muss ich dabei wohl nicht näher erklären. Unter Feuerstätten versteht man alles, was durch Verbrennung Wärme erzeugt. Ein Holzofen* beispielsweise oder auch ein Gaskochfeld gehören dazu. Eine Kerze hingegen nicht, da sie nicht ortsfest ist, also einfach woanders hingestellt oder abgebaut werden kann.

Unter einem Aufenthaltsraum versteht man gemäß der Landesbauordnung vor allem solche Räume,

"die zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt oder geeignet sind".

§ 2 Abs. 7 Landesbauordnung (Baden-Württemberg)

Diese Definition ist leider ziemlich unklar, denn was man unter "vorübergehend" verstehen soll, ist nicht näher erläutert. Zusätzlich gibt es jedoch eine Vorgabe zu den Maßen eines Aufenthaltsraumes.

"Die lichte Höhe von Aufenthaltsräumen muss mindestens betragen:

[...] 2. 2,3 m [...]."

§ 34 Abs. 1 Nr. 2 Landesbauordnung (Baden-Württemberg)

Damit ein Raum also als Aufenthaltsraum gilt, muss er nicht nur grundsätzlich dazu geeignet sein, dass man sich dort aufhält, er muss auch mindestens 2,3 m hoch sein. Und diese Höhe wiederum wird innen gemessen. Wer einen Aufenthaltsraum mit Dachschrägen hat, benötigt sogar nur 2,2 m über mindestens die Hälfte der Grundfläche.

Meine Lösung

Ich kann also tatsächlich ein Tiny House bauen, ohne dafür eine Genehmigung zu beantragen. Aber dazu muss ich mich an alle Regeln halten, die es gibt, darf nicht größer als 40 m3 bauen, muss die Raumhöhe auf maximal 2,3 m beschränken und darf weder eine ortsfeste Toilette, noch eine ortsfeste Feuerstätte betreiben. Das ist kein Problem. Eine Trockentrenntoilette (Komposttoilette)* lässt sich auch mobil nutzen, einen Ofen oder Gaskocher oder etwas anderes mit einer Flamme möchte ich nicht und besonders hoch soll mein Mini Tiny House gar nicht werden. Einzig die 40 m3 sind eine Herausforderung. Aber eine, die ich meistern kann.

Und genau deswegen möchte ich baugenehmigungsfrei bauen. Einfach weil es möglich ist. Es ist nicht nötig, dass ich darauf verzichte, es wäre auch kein Problem, eine zu bekommen, aber es geht eben ohne. Und das wiederum setzt mir klare Grenzen, die ich bei einem Bauantrag sicher nicht einhalten würde. Dann würde ich wohl etwas größer bauen. Auch das würde gehen, aber die Herausforderung ist dann nicht mehr allzu groß. Und ich mag nun einmal Herausforderungen. Und deswegen – und wirklich nur deswegen – will ich genehmigungsfrei bauen. Weil es eben geht.


*Bei diesen Links handelt es sich um Affiliate-Links zu amazon.de*.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0