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Eine Genehmigung verändert alles

Das gesamte Projekt Mini Tiny House war von Anfang an darauf ausgelegt, genehmigungsfrei zu bauen und zu wohnen. Das geht. Es ist klein, aber es geht. Hat man jedoch eine Genehmigung, ist das eine besondere Form der Anerkennung. Das musste ich in den letzten Tagen in besonderem Maße feststellen.

Ein Tiny House wird genehmigt

In diesem kleinen Dorf, in dem ich wohne, wurde in den letzten Tagen das erste Tiny House auf Rädern mit einer Baugenehmigung versehen. Witzigerweise habe ich dieses Häuschen nur zwei Tage zuvor zum ersten Mal beim Spaziergang gesehen. Es ist noch unfertig, aber wie du dir vielleicht denken kannst, habe ich nicht damit gerechnet. Es stand einfach in einer großen Halle, wo es derzeit gebaut wird. Das war das erste Mal, dass ich ein Tiny House aus der Nähe gesehen habe. Ich kenne diese Häuschen sonst wirklich nur von Fotos oder Videos. Sofort war ich glücklich, endlich auch mal eines aus der Nähe zu sehen. Und keine Woche später wurde der Bauantrag durchgewunken und das Tiny House auf Rädern darf mitten im Ort in zweiter Reihe aufgestellt werden. Selten war ich so glücklich über eine Entscheidung des Gemeinderates.

Auf die Freude dann der Rückschlag

Noch am selben Tag, an dem ich von der Baugenehmigung erfahren hatte, bekam ich einen mächtigen Dämpfer. Seit Monaten schon habe ich versucht, den Bebauungsplan für das vorgesehene Grundstück für mein Mini Tiny House einsehen zu dürfen. Zwecks Corona habe ich das natürlich zunächst auf dem schriftlichen Weg versucht. Die Antwort auf diese Anfrage ließ auf sich warten. Letzte Woche kam sie dann und die Ernüchterung war perfekt. Da das Grundstück am Wasser liegt, muss ein Gewässerabstand von 5 m eingehalten werden. Gleichzeitig gelten Abstandsregeln zu bestehenden Gebäuden. Und weil das Grundstück alles andere als rechteckig ist und das bestehende Haus nicht parallel zum Gewässer verläuft, wird diese 5 m-Regel eine echte Herausforderung. Zunächst dachte ich, das Projekt hätte sich erledigt. Aber beim Ausmessen und Abstecken stellte sich heraus, dass es doch gelingen kann. Es wird nicht so, wie es eigentlich geplant war, aber es ist möglich.

Alles wieder auf Anfang

Wenn ich nun aber alles neu planen muss und das Höhengefühl miterlebt habe, wenn eine Baugenehmigung erteilt wird, dann will auch ich diesen Weg gehen. Das Mini Tiny House wäre genehmigungsfrei geworden. Wie gesagt, es wäre klein aber machbar. Mein Tiny House wird natürlich auch kein Palast. Aber es wird größer als 40 m3 und damit braucht es eine Genehmigung. Das hat nicht nur praktische Gründe, es ist aufgrund der Abstandsregeln und der Vorbehalte im Ort die bessere Wahl. Genehmigungsfrei bedeutet nicht, dass ein Haus nicht nachträglich weg muss. Diese Sicherheit fehlt. Stört sich ein Nachbar nach Jahren daran, kann es sein, dass das Häuschen wieder abgebaut werden muss. Ein Haken, der bei einem Wohnhaus nicht sein sollte.

Ich setze also die gesamte Planung zurück, arbeite aufgrund der Abstandsregeln mit neuen Maßen und werde mich um eine Baugenehmigung kümmern. Die Bezeichnung „Mini Tiny House“ passt dann natürlich nicht mehr, aber das soll das kleinste Problem sein. Meine Pläne für die baugenehmigungsfreie Variante werde ich hier in einigen Wochen zur Verfügung stellen, sodass jeder sich inspirieren lassen kann. Bloß weil ich nicht genehmigungsfrei baue, heißt das schließlich nicht, dass andere es nicht versuchen wollen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Mia (Donnerstag, 23 September 2021 13:30)

    Dein Mini Tiny House wäre genemigungsfrei, aber ohne Küche und Toilette hättest Du gar nicht dauerhaft darin wohnen dürfen.

    Und damit wieder Baugenehmigung.