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Familie im Tiny House – Geht das?

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Tiny Houses sind was für junge Menschen. Singles oder Paare leben darin. Aber doch bitte keine Familien! Wo sollen denn die Kinder hin? Mit Baby mag das gehen. Aber mit Schulkindern oder gar Teenagern ist das unmöglich!

Ist es das wirklich? Kann man als Familie mit den Kindern in einem Tiny House leben ohne sich eingeengt zu fühlen?

Ja, es ist möglich!

In der Tat gibt es wesentlich mehr Paare oder Einzelpersonen, die sich für ein Leben im Tiny House entscheiden. Familien hingegen streben oftmals das Wohnen in gewöhnlichen Häusern an. Dennoch gibt es sie, die Tiny House Familien. Mit einem Kind, zwei oder gar drei Kindern wohnen die Eltern gemeinsam im kleinen Häuschen. Die Kinder haben ihr eigenes Zimmer und ihre eigenen persönlichen Sachen. Selbst Teenager kommen gemeinsam mit ihren Eltern im Tiny House unter und finden dennoch Rückzugsorte, um ungestört zu sein.

Mit Babies und Kleinkindern im Tiny House leben

Mädchen und Junge
Bild von Bessi auf Pixabay

Die wohl unkomplizierteste Zeit, Kinder und Eltern im Tiny House zu beherbergen, ist die Anfangszeit. Wenn die Kinder noch klein sind, wenig Platz und viel gemeinsame Zeit benötigen, ist ein Tiny House wie jedes andere Haus: ein Zuhause. Ein eigenes Zimmer zum Spielen ist nicht notwendig und zu viele Spielsachen braucht der Nachwuchs auch nicht. Sicher muss ein Wickeltisch untergebracht werden, und der Windelvorrat sollte auch seinen Platz haben. Die Ansprüche der Kleinen halten sich jedoch noch in Grenzen. Solange Mama, Papa und der Rest der Familie da, der Bauch voll ist und die Augen nicht zu müde sind, ist alles gut.

Mit Kindern im Schulalter im Tiny House leben

Kommen Kinder in die Schule, brauchen sie automatisch mehr Platz. Hausaufgaben wollen anfangs noch mit den Eltern erledigt werden, irgendwann jedoch in Eigenregie. Das kann am Esstisch genauso erfolgen wie am eigenen Schreibtisch. Wichtig ist, dass sie dabei ihre Ruhe haben. Bringen sie Freunde mit nach Hause, ist ihnen manchmal ein ungestörter Bereich wie ein eigenes Zimmer wichtig. In Form eines separaten Raumes im Tiny House ist dies meist gut umzusetzen. Er muss gar nicht groß sein, kann sich in einem zweiten Loft befinden, sollte aber dennoch etwas Privatsphäre bieten. Das ist auch dann sinnvoll, wenn das Kind bereits im Bett ist, der Rest der Familie aber noch aktiv durch das Tiny House läuft. Auch Feiern können so entspannt etwas länger dauern, ohne dass die Kleinen an Schlafmangel leiden müssen.

Mit Teenagern im Tiny House leben

Teenager sind schließlich die anspruchsvollsten Kinder, welche unbedingt eine Rückzugsmöglichkeit benötigen. Sie befinden sich auf dem schwierigen Weg vom Kind zum Erwachsenen und möchten von ihren Eltern gelegentlich in Ruhe gelassen werden. Dies gilt besonders, wenn sie Besuch empfangen. Entsprechend ist in diesem Alter ein eigenes Zimmer, welches von den übrigen Räumlichkeiten abgetrennt werden kann, sehr wichtig. Auch hier ist es nicht unbedingt notwendig, einen Raum mit Stehhöhe zu haben. Zwar ist das tägliche An- und Umziehen dadurch einfacher, doch dies kann auch im Badezimmer erfolgen. Ein Zimmer im Loft, in welchem sich die werdenden Erwachsenen wohlfühlen und genügend Freiraum über dem Kopf haben, reicht häufig bereits aus.

Ein gutes Zusammenleben mit dem Nachwuchs schaffen

Es ist kein Geheimnis, doch was Kinder vor allem von ihrem Zuhause erwarten, ist Liebe und gemeinsame Zeit. Es sind nicht Berge von Spielsachen und ein großer Besitz. Entsprechend lässt es sich in einem Tiny House sehr gut mit Kindern leben, ganz gleich, wie alt sie sind. Ihre Bedürfnisse zu spielen, sich auszuruhen, zu lernen und soziale Kontakte zu pflegen, lassen sich auch auf engem Raum befriedigen. Eltern sollten gelegentlich nachfragen, ob die Kids zufrieden sind, sich manche Dinge anders wünschen und ob sie sich nach etwas sehnen. Dies ist ein grundsätzlicher Rat für alle Familien. Doch gerade in einem Tiny House, in welchem man vielleicht den Eindruck bekommt, dem Kind fehlt es an Platz, ist dieses Nachfragen wichtig.


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An das Tiny House anbauen

Tiny Houses lassen sich vergrößern, wenn es mit den Kindern zu eng wird. An manche von ihnen kann zum Beispiel angebaut werden. Dadurch wird das kleine Haus länger oder breiter. Es bekommt eine andere Form oder wird höher. Steht das Tiny House auf Rädern, sind die gesetzlichen Vorgaben für den Straßenverkehr aber natürlich weiterhin einzuhalten. In diesem Fall ist ein Anbau meist keine gute Lösung. Ein Tiny House, das nicht mobil ist, kann jedoch davon profitieren, ohne den Status des winzigen Hauses zu verlieren. Denn diese Bezeichnung muss sich immer auch an der Anzahl der Personen orientieren, die dort wohnen.

Ein zweites Tiny House für die Kinder

Tiny House
Bild von photosforyou auf Pixabay

Für Tiny Houses auf Rädern kann ab einer gewissen Familiengröße oder dem fortschreitenden Alter der Kinder ein zweites Tiny House eine gute Lösung sein. Es kann mit dem ersten Häuschen verbunden werden, oder frei daneben, davor oder ein wenig abseits stehen. Die Kinder können das eine Haus bewohnen und die Eltern das andere. Oder die Aufteilung erfolgt in Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer, Küche und Badezimmer, und in private Räume wie Kinderzimmer und Schlafzimmer. So wird der Platz erweitert, der Charakter des Tiny Houses geht jedoch nicht verloren. Die Kinder hingegen bekommen ihr eigenes Reich und damit auch mehr Verantwortung übertragen. Solange die gemeinsame Zeit mit der ganzen Familie gewährleistet wird, ist diese Lösung vermutlich die beste.

„Du wohnst in einem Tiny House? Wow!“

Unterschätzen sollte man auf keinen Fall die Wirkung, wenn Kinder ihren Freunden erzählen, dass sie in einem Tiny House wohnen. Der Trend ist in Deutschland längst angekommen und der Nachwuchs weiß davon. Dass sich manch ein Klassenkamerad oder Freund spontan selbst einlädt, um das kleine Haus zu sehen, ist dabei gar nicht so ungewöhnlich. Dennoch sollten Eltern ein Auge darauf haben, welche dieser Freunde nur des Hauses wegen vorbeischauen und sich darüber lustig machen, und wem die Freundschaft am Herzen liegt. Ein Problem, das es natürlich überall und immer wieder gibt. Doch wer vom Leben im Tiny House keine Ahnung hat, der kann es auch als „Armutshaus“ abstempeln und dem Nachwuchs somit das Leben schwer machen. Das sollte niemanden von dem Vorhaben, ein Tiny House zu bauen, abhalten. Aber man sollte eben doch darauf achten, dass die Kinder nicht darunter leiden. Das werden sie aber wahrscheinlich nicht, denn Tiny Houses sind einfach cool!


Beitragsbild von natik_1123 auf Pixabay 

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