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Ein Gartenhaus als Tiny House nutzen

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In einem Tiny House zu wohnen, klingt für manch einen wie das pure Landleben mit viel Ruhe und Entspannung. Finanzielle Freiheit, keine oder nur sehr wenig Mietkosten und die eigenen Ansprüche an das kleine Haus werden erfüllt. Schreitet der Prozess voran, kommt irgendwann der Fausthieb ins Gesicht. Ein Tiny House, das die eigenen Wünsche perfekt umsetzt, ist trotz seiner Größe ziemlich teuer. Alles selbst von Hand planen und umsetzen, das kann nicht jeder. Gut, dass es Gartenhäuser gibt, die eine praktische Zwischenlösung darstellen.

Inhaltsverzeichnis

Ein Gartenhaus statt ein Tiny House

Ein Gartenhaus als Tiny House zu nutzen, kommt vielen Interessenten gar nicht in den Sinn. Meist liegt das daran, dass sie mobil sein möchten und ihr Haus auf Räder bauen wollen. Gartenhäuser taugen dazu in der Regel nicht. Aber auch diejenigen, die einen festen Stellplatz suchen und auf die Räder verzichten, sehen sich nicht als erstes ein Gartenhaus an. Es hat eben diesen typischen Gartenhauscharakter. Und in der Regel wird es für den Rasenmäher, die Schaufel und die Blumentöpfe genutzt, ist vollgestellt bis unters Dach, und sieht überhaupt nicht wohnlich aus. Wer will da schon wohnen?

Tatsächlich ist das aber bloß die klassische Art der Nutzung. Es gibt auch Gartenhäuser, die als Partyraum eingerichtet sind. Das wirkt schon wohnlicher. Ein Tisch, ein paar Stühle, eine Bar und im Winter die Gasheizung. Dennoch steht das Wohnen hier nicht an erster Stelle. Aber möglich ist es doch.

Die günstige Lösung

Haus auf Taschenrechner
Bild von Alexander Stein auf Pixabay

Das wohl wichtigste Kriterium beim Kauf eines Hauses ist der Preis. Je nach Wandstärke und Größe des Häuschens kannst du vergleichsweise günstig innerhalb kürzester Zeit ein Tiny House nach Anleitung errichten. Das ist fast wie mit Bausteinen spielen, bloß größer. Gartenhäuser, die als Tiny Houses aufgrund ihrer Größe und Aufteilung geeignet sind, gibt es schon ab 5.000 €. Wenn du Glück hast, zahlst du sogar weniger, denn Händler haben oftmals spezielle Angebote bei Gartenhäusern. Mit 5.000 € hast du dann aber kein bezugsfertiges Tiny House. Du musst noch einige Arbeiten vornehmen, Leitungen für Strom, Gas, Wasser und Abwasser legen, isolieren, vielleicht eine Wand einziehen oder ein Fenster umsetzen, und natürlich die Inneneinrichtung gestalten. Dennoch kannst du auf diese Weise gegenüber eines fertigen, und auf dich angepassten Tiny Houses vom Hersteller, sehr viel Geld sparen. Lässt du die notwendigen Arbeiten von Handwerkern erledigen, wird es wieder etwas teurer. Aber manch einer will nicht alles beim Hausbau selber machen, und legt sehr gerne Hand an, sobald er sich das zutraut.

Die eigene Planung passt sich dem Haus an

Interessant bei der Nutzung von Gartenhäusern als Tiny Houses ist, dass du eben nicht vollkommen frei planen kannst, und höchstens vorgegebene Außenmaße hast. Das Gartenhaus gibt dir bereits einige Details vor. Hier kommt ein Fenster hin, dort ist bereits ein weiterer Raum vorhanden. Deine Freiheiten schrumpfen ein wenig und du musst deine Planung dem Haus anpassen. Es überfordert manch einen angehenden Tiny House Besitzer, wenn er vollkommen freie Hand hat. Andere wollen genau das und fühlen sich durch einen fertigen Grundriss zu stark eingeschränkt. Denk an dich selbst. Wenn für dich die vollständige Planung und Ausfertigung eine Nummer zu groß ist, dann wähle die Zwischenlösung und greife auf ein Gartenhaus zurück.

Ein fester Standorts ist notwendig

Was du mit einem Gartenhaus natürlich nicht kannst, ist reisen. Zwar gibt es recht kleine Gartenhäuser, die du auch auf einen Anhänger stellen könntest, doch meist sind diese Häuser dann tatsächlich zu klein, um bequem darin leben zu können. Ein größeres Gartenhaus, das vielleicht sogar fast schon wieder zu groß ist, um Tiny House genannt werden zu dürfen, lässt sich aber wirklich nicht mehr auf Räder parken. Wenn überhaupt, hast du die Möglichkeit, es per Kran auf einen großen Anhänger zu laden, um es an einen anderen Ort zu transportieren. Als Sonderfahrt mit speziellen Genehmigungen, wirst du das aber nicht oft machen. Das ist deutlich mehr Arbeit und viel zu mühsam. Ein Wohnwagen ist dafür besser geeignet.


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Die Anmeldung als Wohnsitz

Auch wenn es aussieht, wie ein Gartenhaus und natürlich auch eines ist, so musst du die Vorschriften zum Bauen und Wohnen einhalten. Ein Architekt muss die Baupläne einreichen, ein Statiker muss zustimmen und die Gemeinde oder Stadt muss ebenfalls einverstanden sein. Und damit darfst du dann dein Tiny Gartenhaus als Wohnsitz anmelden und bekommst eine eigene Hausnummer, brauchst einen eigenen Briefkasten und einen eigenen Pkw-Stellplatz.

Etwas schwierig könnte die Bewilligung jedoch aufgrund des Aussehens des Gartenhauses sein. Denn was von außen wie ein Gartenhaus aussieht, soll meist drinnen auch so genutzt werden. Wohnen ist damit zunächst ausgeschlossen. Vorbeugen kannst du, indem du ein Gartenhaus wählst, welches nicht danach aussieht. Versuchs mal mit einem Flachdach, statt mit dem klassischen Schrägdach. Lass die altmodischen Fenster mit Fensterkreuz weg, und passe die Außengestaltung der Nachbarschaft an. All das steigert deine Chancen auf Erfolg beim Bauantrag.

Das Gartenhaus als zusätzlichen Raum nutzen

Wenn du dich mit dem Gedanken, in einem Gartenhaus zu wohnen, nicht anfreunden kannst, kannst du aber mal darüber nachdenken, ob du ein Gartenhaus nicht doch als zusätzlichen Raum nutzen willst. Es muss ja nicht immer der Rasenmäher drin stehen oder eine Party stattfinden. Du hast so viele Möglichkeiten, ein Gartenhaus für dich persönlich zu nutzen.

Das Büro im Gartenhaus

Gerade jetzt, wo das Arbeiten im Homeoffice so beliebt geworden ist, kannst du vielleicht einen separaten Raum brauchen, der nur für die Arbeit genutzt wird. Ein Büro im Gartenhaus ist eine wundervolle Möglichkeit, um die Arbeit vom Privatleben zu trennen. Dein Büro ist tatsächlich ein Büro. Du solltest hierbei natürlich den Stromanschluss nicht vergessen und auch auf eine stabile Internetverbindung achten. Brauchst du eine zusätzliche Telefonleitung, muss diese ebenfalls verlegt werden. Auch ein Wasseranschluss für eine Kaffeemaschine, gutes Licht und eine kleine Heizung sind mitunter sinnvoll. Und wenn wir schon dabei sind, so fühlst du dich in einem isolierten Gebäude sicher wohler, als in einem Bretterverschlag, in dem es durch die Ritzen zieht.

Solch ein Arbeitszimmer ist in einigen Fällen sogar von der Steuer absetzbar. Das nur als kleiner Hinweis.

Die Werkstatt im Gartenhaus

Etwas weniger empfindlich, dafür umso praktischer sind Gartenhäuser, wenn du darin eine Werkstatt einrichtest – sofern du das brauchen kannst. Hier spielt die Größe des Tiny Houses natürlich eine besondere Rolle. Eine Werkbank muss untergebracht werden, die Tischkreissäge, vielleicht eine Drechselmaschine, eine Hobelmaschine und was du sonst noch in deiner Werkstatt haben willst. Bedenke auch, dass deine Werkstücke wieder aus dem Gartenhaus heraus müssen. Eine Doppeltür könnte dafür nützlich sein. Je nach Tätigkeit ist eine Heizung in der Werkstatt nicht unbedingt nötig. Wird es dir zu kalt, kannst du einen mobilen Heizstrahler nutzen. Was du auf jeden Fall brauchst, ist Strom und genügend Steckdosen an den richtigen Stellen. Plane die Einrichtung also unbedingt bevor du die Steckdosen anbringst.

Ein Hobbyraum im Gartenhaus

Frau macht Yoga
Bild von StockSnap auf Pixabay

Auch wenn du weder arbeitest, noch unbedingt eine Werkstatt brauchst, so kann ein Gartenhaus ein gutes Hobbyzimmer abgeben. Billard, ein Nähatelier, ein kleiner Ausstellungsraum für deine Kunstwerke oder ein Raum für deine Yogaübungen. Du kannst alles Mögliche im Gartenhaus unterbringen. Die Größe des Hauses muss zu dem passen, was du dort machen willst. Dann kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen. Willst du ein Fotostudio einrichten? Oder brauchst du eine separate Küche, in der du Kochvideos aufnimmst? Gibst du Nachhilfe? Möchtest du eine Bibliothek ganz für dich? Ich bin mir sicher, dir fällt etwas ein.

Das Jugendzimmer im Gartenhaus

Eine Vorstufe des Tiny Houses im Gartenhaus stellt ein separates Jugendzimmer dar. Als Kinderzimmer ist ein Gartenhaus meist nicht geeignet, aber als Spielraum kannst du es ebenfalls einsetzen. Werden die Kinder älter und wollen mehr Privatsphäre, oder dein Haus wird zu klein, stellt ein Gartenhaus eine Möglichkeit dar, um Vertrauen aufzubauen und die Unabhängigkeit zu fördern. Je nach Teenager kannst du dabei lediglich das typische eigene Zimmer in den Garten verlagern, oder du baust gleich noch das Badezimmer mit ein, damit der Nachwuchs nicht nachts durch strömenden Regen laufen muss, wenn die Blase voll ist. Bevor du dir den Kopf zerbrichst, wie du eine Wasser- und Abwasserleitung ins Gartenhaus verlegen kannst, denke doch mal über eine Trockentrenntoilette und einen Wasserspender mit Waschschüssel nach. Das reicht völlig aus.

Willst du dem Teenager besonders viele Möglichkeiten bieten, kannst du natürlich ein echtes Haus ins Gartenhaus packen. Mit Küche, Badezimmer und dergleichen kann er oder sie das selbstständige Leben ausprobieren, und bei Bedarf doch die Kochkünste von Mama und Papa in Anspruch nehmen.

Probleme beim Wohnen im Gartenhaus

Die Nutzung eines Gartenhauses als Tiny House bringt einige Probleme mit sich, über die du dir von vornherein klar sein solltest. Denn am Ende wird das dein Wohnhaus. Du wirst mit den Vorurteilen, neugierigen Blicken und den Nachteilen zurecht kommen müssen. Als Alternative bleibt dir sonst bloß der Verkauf oder der Abriss. Und nach all der Mühe bei der Planung und dem Aufbau, wirst du beides vermutlich eher ablehnen.

Optisch ist es nur ein Gartenhaus

Ein Tiny House hat immer irgendwie einen ganz besonderen Stil. Ein Gartenhaus, auch wenn du es als Tiny House nutzt und darin wohnst, bleibt ein Gartenhaus. Natürlich kannst du eine Photovoltaikanlage auf das Dach bauen, die Fassade stylisch aussehen lassen und mit Dekorationen eine grandiose Außengestaltung vornehmen. Aber doch bleibt es ein Gartenhaus. Für dich selbst vielleicht nicht, aber für andere. Und wer in einem Tiny House wohnt, der stört sich irgendwann daran, wenn vom Gartenhaus, der Sardinenbüchse oder dem winzigen Haus ohne Platz die Rede ist. Denn das ist nicht so. Aber diese Aussagen stellen eben eine Abwertung dar, die ziemlich nerven kann.

Ein Blockbohlenhaus als Tiny House

Blockbohlenhaus
Bild von JayMantri auf Pixabay

Ein Blockbohlenhaus sieht wirklich toll aus und ist ganz leicht aufzubauen. Eine Bohle kommt auf die andere. Du brauchst fast nichts schrauben, das Haus hält durch Nut und Feder ganz von selbst. Ruckzuck steht das Haus und ist fertig. Es hat aber einen besonders großen Nachteil, wenn du darin wohnen willst. Diesen Nachteil haben prinzipiell alle Gartenhäuser, die du als Tiny House nutzt. Beim Blockbohlenhaus fällt es jedoch besonders ins Gewicht.

Du musst jedes Gartenhaus isolieren, damit es den Gesetzen entspricht und du es als Wohnhaus genehmigen lassen kannst. Du kannst von außen oder von innen isolieren, verlierst dann aber auf einer Seite den Charakter des Blockbohlenhauses. Denn selbst die dicksten Bohlen, die du für ein Gartenhaus findest, entsprechen nicht der Norm, was die Qualität der Isolierung betrifft. Leider.


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Die Isolierung nachrüsten

Wenn wir schon von der Isolierung sprechen: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist bei Neubauten ziemlich streng, was am Ende unserer Natur zugute kommt. Doch das bedeutet eben auch, dass du dein Fertighaus im Rohbau anpassen musst. Bei Gartenhäusern, die meist schon geplante Dachüberstände haben, ist die Isolierung von innen sinnvoll. Dabei geht jedoch Fläche im Raum verloren. Weiterhin sind die meisten Gartenhäuser aus Holz und damit diffusionsoffen. Sie geben die Luftfeuchtigkeit, die im Tiny House entsteht, nach draußen weiter. Bringst du eine Isolierung an, die das ebenfalls tut, ist sie in der Regel sehr dick. Mineralwolle oder Holzfaserdämmplatten kämen infrage. Diffusionsoffene, dünne Isolierung kostet sehr viel. Und was dir dann noch an Isolierungsoptionen, die nicht so sehr auftragen, bleibt, ist diffusionsdicht. Du brauchst dann zusätzlich eine Lüftungsanlage, um die Feuchtigkeit nach draußen zu leiten und Schimmel zu verhindern. Das funktioniert aber nur bedingt, weil ein Gartenhaus beziehungsweise ein Tiny House eben sehr klein ist und sich damit innerhalb kürzester Zeit auch viel Feuchtigkeit in der Luft befindet.

Dennoch ist es möglich, eine gute Dämmschicht in einem Gartenhaus zu verbauen. Aber du musst diesen Punkt bei der Planung und beim Kauf unbedingt berücksichtigen.

Sicherheitsaspekte für Wohnräume umsetzen

Entscheidend ist auch, dass du die vorgeschriebenen Sicherheitsaspekte für dein Gartenhaus umsetzt. Das wird gerne vergessen, denn es ist ja doch bloß ein Gartenhaus. Eines aus Holz. Brandschutz und entsprechende Warnsysteme sind unerlässlich und ohnehin fast überall vorgeschrieben. Aber auch ein guter Einbruchschutz ist unabdingbar. Denn in Gartenhäuser bricht es sich oftmals leichter ein und deswegen sind sie ein beliebtes Ziel für Diebe. Es könnte etwas zu holen sein, es ist ohnehin niemand da, und rein kommt man auch leicht. Du kannst die Einbrecher zwar mit deiner Anwesenheit erschrecken, sie dich allerdings auch. Und wer hat schon Lust, ein neues Fenster zu kaufen?

Zieh ins Gartenhaus, wenn dir ein Tiny House zu kompliziert ist

Du kannst also tatsächlich ein Gartenhaus wählen, statt ein Tiny House zu bauen. Aber du musst dann auf jeden Fall Anpassungen vornehmen oder vornehmen lassen. Denn ein bezugsfertiges Gartenhaus als Wohnhaus kannst du derzeit noch nirgendwo kaufen. Aber die Auswahl ist sehr groß und die meisten Gartenhäuser lassen sich gut anpassen, haben genügend Platz für ein zusätzliches Fenster und sind manchmal sogar seitenverkehrt aufzubauen. Du erhältst also einen Bausatz, den du leicht selbst aufbauen, und an dem du dich im Anschluss handwerklich austoben kannst. Du hast nicht die gesamte Last der Planung eines Tiny Houses auf dir, und auch nicht die Kosten, die entstehen, wenn diese Planung ein anderer übernimmt. Du machst es selbst – bloß nicht vollständig. Aber das macht nichts. Denn wer einen Klempner beauftragt, die Rohre zu verlegen, einen Schreiner bittet, die Schränke zu bauen oder gleich ein ganzes Unternehmen das Tiny House bauen lässt, der macht auch nicht alles selbst. Ist doch auch nicht nötig. Am Ende wirst du drin wohnen, egal, wer dein Garten Tiny House gebaut hat.


Beitragsbild von Werner Weisser auf Pixabay 

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