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Keine Platzangst im Tiny House

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So ein Tiny House ist wirklich toll. Es braucht nicht viel Platz und wenn es Räder hat, dann kann man damit sogar bequem reisen. Aber es ist eben auch sehr klein und eng. Und genau das hält manch einen Interessenten davon ab, das Abenteuer Tiny House anzupacken. Denn klein und eng sorgt bei einigen Gemütern für beklemmende Gefühle und im schlimmsten Fall sogar für Platzangst. Und das will man im eigenen Zuhause nun wirklich nicht haben. Hier will man sich wohlfühlen, sich ausruhen können und gerne wohnen. Glücklicherweise haben die wenigsten Menschen in einem durchdachten Tiny House diese Probleme. Denn auch wenn das Haus klein ist, so gibt es sehr viele Möglichkeiten, das Tiny House von innen viel größer wirken zu lassen, als es ist.

Inhaltsverzeichnis

Von Beginn an groß planen

Wer ein Haus plant, setzt sich meist mit einem Architekten zusammen, äußert seine Wünsche und wartet ab, was sich der Architekt einfallen lässt. Der erste Entwurf wird nur noch geringfügig abgeändert und so wird das Haus dann schließlich auch gebaut. Bei Tiny Houses ist das anders. Oftmals planen die Bauherren selbst und werfen mehrfach alles wieder über den Haufen, um ganz von vorne zu beginnen. In einem kleinen Haus muss eben alles passen. Die Möglichkeit, notfalls Räume zu tauschen, gibt es nicht. Willst du keine Platzangst auf kleinem Raum bekommen, sondern das Gefühl haben, dein Tiny House sei riesig, musst du schon bei der Planung gut überlegen, wie dein Haus geräumig wirken kann.

Hohe Räume lassen den Gedanken viel Platz

Wenn du dir schon einige Tiny Houses angesehen hast, wird dir deren Höhe aufgefallen sein. Niedrige Räume wirken schnell erdrückend, selbst wenn sie hell und freundlich eingerichtet sind. Hohe Decken und ein offener Blick nach oben hingegen schaffen Raum. Sie geben dem Geist Luft zum Atmen, wirken beruhigend und verhindern Platzangst. Möchtest du eine Loftebene nutzen, sorge dafür, dass diese sich nicht über den größten Teil des Tiny Houses erstreckt. Eine Galerie oder zumindest einen offenen Bereich dort, wo du dich am meisten aufhältst, sind sinnvoll.

Große Fenster im kleinen Haus

Fenster im Tiny House
Bild von Muntzir Mehdi auf Pixabay

Fenster sind das A und O. In Deutschland kann es hilfreich sein, eine Hausseite des Tiny Houses komplett fensterlos zu gestalten. Denn je nach Stellplatz gibt es eventuell die Auflage, keinen direkten Blick zum Nachbarn zu haben. So oder so, große Fenster lassen nicht nur viel Licht herein, sie sorgen auch dafür, dass der gesamte Raum offen wirkt. Setze nicht auf viele kleine Fenster in allen möglichen Formen, Farben und Höhen. Wenige große Fenster, die von jeder Sitzposition im Tiny House den Blick nach draußen erlauben, bewirken viel mehr. Das heißt natürlich nicht, dass du überall riesige Fenster einbauen musst, obwohl du dafür keinen Platz hast. Aber wenn du kannst, wähle große Fenster. Diese müssen übrigens nicht bodentief sein. Du richtest deinen Blick ja in der Regel nicht vom Boden aus ins Freie. Trotzdem bieten dir bodentiefe Fenster und Glastüren natürlich die größte Sichtfreiheit.

Sichtachsen lassen alles größer wirken

Etwas, das in fast jedem Tiny House vorkommt, ist eine offene Sicht durch das ganze Haus. Auch das hilft dabei, den Raum viel größer wirken zu lassen, als er eigentlich ist. Du erreichst dies, indem du dir die Sicht nicht verbaust. Statt einer Wand mitten im Raum steht dort vielleicht bloß ein Sideboard, das einzelne Wohnbereiche voneinander trennt. Kannst du dein gesamtes Zuhause überblicken, fühlst du dich nicht mehr eingeengt. Blockierst du hingegen die Sicht auf ohnehin schon so kleinem Raum, wirken diese engen Unterteilungen noch kleiner.

Willst du auf Abtrennungen dennoch nicht verzichten, um auch mal deine Ruhe haben zu können, versuche es mit Vorhängen oder flexiblen Möbeln. Große Türen, die zwar Stellflächen wegnehmen, dafür in offenem Zustand aber den Blick freigeben, können helfen.

Podeste und erhöhte Flächen gönnen dem Blick Abwechslung

Ein Schlafloft ist im Tiny House fast ein Muss. Im Bett brauchst du in der Regel nach oben hin wenig Platz. Du kannst es auch anders versuchen. Baue ein Podest aus Regalen und Schränken und schlafe oben drauf. So entsteht unten Stauraum und es kommt eine neue Ebene ins Tiny House. Das schafft Abwechslung und eine klare Trennung, nimmt dem Raum aber dennoch nicht die Offenheit.

Auch Podeste, in denen das Bett versteckt ist, erfüllen diesen Zweck. Darauf findet dann zum Beispiel das Badezimmer, die Küche oder der Wohnbereich seinen Platz. Mit verschiedenen Höhen zu arbeiten bedeutet nicht automatisch, dass du eine Treppe oder Leiter brauchst und ganz oben unter dem Dach schlafen musst. Auch das ist für manch einen Tiny House Bewohner mit beklemmenden Gefühlen verbunden. Eine einzelne Stufe oder bloß zwei, drei kleine Tritte, um die Ebene zu wechseln, können für viel mehr Offenheit sorgen.

Große Flächen, statt kleine Details

Es gibt wirklich tolle Fliesen für die Küche oder das Badezimmer. Kleine Mosaiksteine wirken toll. Es gibt sogar Tiny Houses, deren Fußboden aus Münzen bestehen, die in Acryl gegossen sind. So toll all das aussieht, es bringt die Gefahr nicht sich, dass der Raum einengend wirkt. Denn solche kleinen Details lassen einen Raum auch kleiner wirken, als er tatsächlich ist. Setze besser auf große Fliesen und breites Laminat, statt auf schmale Dielen und Wandverkleidungen mit kleinen Details. Eine große Fläche lässt kleine Räume größer wirken. Durch die wenigen Unterbrechungen in Form von Fugen oder abgeschnittenen Maserungen findet das Auge Ruhe und eine klare Struktur im Raum. Willst du auf die Details dennoch nicht verzichten, nutze Dekorationen, die du jederzeit wieder entfernen kannst, falls dir der Raum dadurch zu klein erscheint.

Die richtigen Möbel machen den Unterschied

Neben dem eigentlichen Haus und seiner Planung sind es vor allem die Möbel, um die du dir sicher die meisten Gedanken machst. Das ist auch richtig so. Und auch hier gibt es Dinge, die du bedenken solltest, um das kleine Haus möglichst groß wirken zu lassen. Natürlich muss dir deine Einrichtung am Ende gefallen. Aber die falsche Herangehensweise an den Möbelkauf kann den schönsten Schrank am Ende zum Problem werden lassen.

Möbel mit mehreren Einsatzzwecken schaffen Platz

Für Tiny House Bewohner ist das ein alter Hut, aber man kann ihn nicht oft genug erwähnen. Setze auf Möbel, die mehrere Einsatzzwecke erfüllen können. Klar, wer wenig Platz zur Verfügung hat, macht das sowieso. Trotzdem solltest du dir das immer wieder vor Augen führen. Haben deine Möbel mehrere Nutzungsmöglichkeiten, kannst du auf weitere Möbelstücke verzichten. Das schafft Freiraum und Platz und lässt den Raum groß und offen wirken. Mach nicht den Fehler, die freien Flächen mit anderen Dingen vollzustellen. Lass sie einfach frei. Es ist besser, den Esstisch nur bei Bedarf ganz auszuziehen, statt ihn immer so groß wie möglich stehen zu lassen, weil genügend Platz da ist. Wenn du diesen Platz auf dem Tisch nicht brauchst und das Gefühl hast, der Raum wirkt zu klein, dann baue den Tisch wieder um.

Filigrane Möbel sind unauffällig

Filigrane Möbel
Bild von Kari Shea auf Pixabay

Es gibt Massivholzschränke, die ins Auge stechen. Im Tiny House solltest du damit vorsichtig sein. Filigrane Möbel mit viel Glas, schlanken Beinen und hellen Farben lassen sich unauffälliger in den Raum integrieren. Hier spielt es oftmals sogar eine untergeordnete Rolle, wie groß diese Möbel sind. Solange sie kaum auffallen, stören sie auch nicht und wirken nicht einengend. Hilfreich ist es, wenn die Möbel sich farblich dem Hintergrund anpassen und somit auf den ersten Blick gar nicht sichtbar sind, oder viel kleiner wirken. Ein gläserner Schminktisch mit einem Spiegel kann selbst in einem Tiny House viel kleiner wirken, solange man nicht dort sitzt und sich schminkt.

Große Möbel und niedrige Schränke

Während filigrane Möbel eine Möglichkeit sind, um Luft in das Tiny House zu bringen, schaffen große Möbel zusätzlich Stauraum. Einbauschränke, die nicht vor der Wand zu stehen scheinen, sondern die Wand selbst bilden, sind eine gute Möglichkeit, um Stauraum zu schaffen. Das kannst du zum Beispiel an einer kurzen Wand in deinem Tiny House erreichen. Über, unter und neben einem Fenster schaffst du so Platz für alles Mögliche und bekommst gleichzeitig eine große Fensterbank.

Außerdem sind niedrige Möbel eine interessante Möglichkeit, um Platzangst im Tiny House zu verhindern. Dein Blick ist eben nicht auf Kniehöhe, sondern deutlich weiter oben. Sind deine Möbel nur hüfthoch, lassen sie dem Blick freien Lauf durch den Raum. Allerdings solltest du es mit diesen halbhohen Möbeln nicht übertreiben. Denn wenn der Fußboden voller Kommoden steht, wirkt auch das nicht mehr allzu offen und gemütlich.

Häng’s auf!

Statt auf geschlossene Schränke kannst du auf offene Regale setzen. Besonders in der Küche hat sich das bewährt. Es mag mit mehr Putzen verbunden sein, hilft aber dabei, sich in der meist ohnehin schon schmalen Küche wohlzufühlen. Besser ist es hier sogar, wenn es gar keine Aufbewahrung in der oberen Wandhälfte gibt.

Es kann auch helfen, wenn du deine Möbel nicht auf den Boden stellst, sondern an die Wand hängst. Ein Spalt über dem Fußboden zu haben, der nicht bloß wenige Zentimeter groß ist, schafft Raum um die Füße herum. Das ist zwar nicht so wichtig, wie einen freien Blick zu haben, es kann das Wohlbefinden im Tiny House dennoch unterstützen. Natürlich musst du nicht alles an die Wand hängen. Aber versuche es doch mal mit Standfüßen, statt mit einer Abdeckleiste oder einem eher massiven und geschlossenen Möbelstück.

Kleine Tricks mit großer Wirkung im Tiny House

Sobald du in dein Tiny House einziehst, sollte die Frage der Möbel und der baulichen Aspekte längst erledigt sein. Nun gilt es, die Offenheit auf kleinem Raum beizubehalten und zu verbessern. Auch hierfür gibt es einige Tricks, die du gut umsetzen kannst, um Platzangst zu vermeiden und in deinem Haus glücklich zu werden.

Arbeite mit Licht und hellen Farben

Fenster sind ein entscheidender Punkt, um Licht in dein Haus zu lassen. Aber das gilt natürlich nur tagsüber. Ist es draußen dunkel, brauchst du künstliches Licht. Helle Farben reflektieren dieses und lassen den gesamten Raum größer wirken. Setze dabei nicht nur auf eine gute Deckenbeleuchtung, die den Raum gleichmäßig erhellt, sondern verwende Lichtakzente. Damit kannst du einzelne Bereiche im Tiny House beleuchten oder verdunkeln. Auch bunte LEDs, deren Farben du wechseln kannst, können sich auf deine Stimmung auswirken. Beleuchte vor allem helle und offene Bereiche, um für Größe zu sorgen. Und schäme dich nicht, wenn du den ganzen Abend über alle Lichter anlässt, um dich wohlzufühlen. Besonders zu Beginn des Wohnens im Tiny House kann das notwendig sein, um sich wohlzufühlen.


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LED Einbaustrahler, dimmbar, mit Farbwechsel



Spiegel lassen nicht nur dich schön aussehen

Einer der ältesten Tricks, um kleine Räume größer wirken zu lassen, sind Spiegel. Nutze sie nicht nur im Badezimmer. Hänge zum Beispiel einen großen Spiegel an die Tür zum Badezimmer. So entsteht immer der Eindruck, der Raum wäre noch nicht zu Ende. Auch an kleinen Wandflächen können Spiegel helfen und dir den Eindruck vermitteln, es ginge noch weiter. Es kann allerdings hilfreich sein, den Spiegel nicht gleich aufzuhängen, sondern ihn zunächst an die Wand anzulehnen. Manch einer muss sich erst daran gewöhnen, dass sich im Spiegel immer wieder etwas bewegt.

Ein Farbschema bringt Ruhe ins Tiny House

Dir ist vielleicht bereits aufgefallen, dass diejenigen Räume besonders schön aussehen, die nur mit wenigen Farben arbeiten. In kleinen Räumen ist das unverzichtbar. Das heißt nicht, dass du in jedem Wohnbereich dieselben Farben nutzen musst. Aber sofern du auf einen Blick alle Wohnbereiche einsehen kannst, ist das die sinnvollste Wahl. Ein Farbschema, welches mit wenigen ähnlichen Farben arbeitet, wirkt weniger hektisch und verspielt und damit eben ruhig. Helle Farben mit dunkleren Akzenten sind die beste Wahl, um kleine Räume größer wirken zu lassen. Es muss aber nicht immer alles weiß sein. Ein zartes Grün, ein helles Beige oder ein elegantes Blau sind bereits hell genug. Bleibt dein Farbschema dann diesen Grundfarben treu und verändert lediglich den Ton ein wenig, kannst du selbst den kleinsten Raum in deinem Tiny House schön gestalten.

Räume auf!

Im Tiny House geht das Aufräumen besser von der Hand. Das ganze Haus ist kleiner, du besitzt weniger und alles hat seinen Platz. So sollte es zumindest sein. Nutze diese Hilfestellung, um regelmäßig aufzuräumen und nichts liegen zu lassen. Denn alles, was sinnlos herumsteht, kann erdrückend wirken. Nein, Aufräumen macht auch im Tiny House nicht unbedingt Spaß. Gewöhnst du dir aber an, einmal am Tag alles wegzuräumen, was du eben nicht brauchst, oder besser noch, alles sofort nach der Benutzung wieder zu verstauen, bleibt es zu Hause sauber und ordentlich. Das hebt nicht nur die Stimmung, es verhindert auch das Gefühl des Eingeengtseins.

Es gibt so viele Möglichkeiten, ohne Platzangst in einem Tiny House zu wohnen

Du siehst, Platzangst muss nicht sein. Sicher ist ein Tiny House kleiner als eine gewöhnliche Wohnung. Und ja, wenn es auf Rädern steht, musst du ein ziemlich schmales Haus bauen. Aber mit den richten Kniffen kann auch der kleinste Raum deutlich größer wirken, als er tatsächlich ist. Du solltest bereits bei der Planung diese Tricks berücksichtigen und deine Wohnbereiche klar untergliedern. Eine offene Sichtachse, ein ruhiges Farbschema und die passenden Möbel sind das A und O. Hinzukommen dann noch Spiegel, Fenster und die richtige Beleuchtung. Selbst wenn du bei der Planung nicht so viel Rücksicht auf Offenheit gelegt hast, kannst du im Nachhinein noch einige Fehler wieder ausbessern. Lass diese Chance aber nicht verstreichen. Denn auf Dauer kannst du dich sonst in deinem Tiny House sehr unwohl fühlen. Das sollte nicht sein und es muss auch nicht sein. Platzangst gibt es selbst in Tiny Houses eher selten.

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