Ich bin weder Juristin noch Expertin. Aber ich kann juristische Texte lesen und verstehen. Darum stelle ich hier keine Rechtsberatung und keine verbindlichen Informationen bereit, sondern erkläre nach bestem Gewissen, was möglich ist. Diese Infos musst du für deine ganz persönliche Situation individuell überprüfen, um am Ende nicht doch Gesetze zu verletzen und nicht bauen zu dürfen.


Das musst du über das Mini Tiny House wissen

Das Bauen in Deutschland ist in etlichen verschiedenen Gesetzen festgelegt. Neben Gesetzen zur Arbeitssicherheit und Vorschriften dazu, wer auf der Baustelle was tun darf, gibt es vor allem Regeln dazu, wo welches Haus gebaut werden darf. Diese Regeln sind aber nicht überall gleich, sondern unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Ich beziehe mich hier in erster Linie auf die Regeln in Baden-Württemberg, die 2021 aktuell waren. Willst du in einem anderen Bundesland sesshaft werden, musst du einen Blick in die dortigen Regeln werfen. Außerdem können einzelne Regionen und Gemeinden individuelle Bauvorschriften festlegen. Selbst wenn du in deinem Bundesland prinzipiell genehmigungsfrei bauen darfst, kann dies bedeuten, dass in deinem Ort für dein Grundstück Regeln gelten, die dies verbieten. Dir bleibt also nichts anderes übrig, als bei der zuständigen Baubehörde nachzufragen.

Warum dran halten, wenn eine Genehmigung überflüssig ist?

Es scheint absurd zu sein, sich an Regeln zu halten, wenn du doch ohnehin noch nicht einmal eine Genehmigung für das Bauen benötigst. Das Problem bei verfahrensfreien Bauvorhaben ist jedoch, dass dir eben eine Genehmigung fehlt. Das bedeutet, dass auch Jahre nach der Fertigstellung deines Tiny Houses noch Nachbarn, Passanten oder Gemeindemitarbeiter sich beschweren können, und im schlimmsten Fall ein Abriss gefordert werden kann. Denn ohne Genehmigung gilt dein Häuschen nur als geduldet. Und das eben so lange, bis sich jemand daran stört. Selbst wenn das Tiny House allen geltenden Regeln entspricht, kann es sein, dass es nicht bleiben darf.

Ich empfehle dir, vor dem Bau alle Anwohner über dein Bauvorhaben zu informieren und sie schriftlich zustimmen zu lassen, dass sie keine Einwände haben. Erkläre ihnen genau, was du vorhast und überlasse ihnen eine Kopie deiner Pläne. Dokumentiere auch, wann du welche Baumaßnahmen vorgenommen hast. So kannst du nachträglich beweisen, dass ursprünglich keine Einwände vorlagen und du den damals geltenden Gesetzen entsprochen hast. Dies erschwert anderen die Möglichkeit, dein Tiny House nachträglich abzulehnen. Eine Garantie , dass dein Tiny House bleiben darf, hast du aber auch durch diese Dokumente nicht.

Die Größe ist entscheidend

Bei allen baugenehmigungsfreien Bauvorhaben ist die Größe des Gebäudes entscheidend. In Baden-Württemberg dürfen nur solche Wohngebäude ohne Genehmigung errichtet werden, die nicht größer als 40 m3 sind. In Nordrhein-Westfalen dürfen es bis zu 75 m3 sein, in Sachsen lediglich 15 m3. Die Unterschiede sind also gewaltig. Dennoch ist es in erster Linie die Größe, die zunächst darüber entscheidet, ob überhaupt ohne Genehmigung gebaut werden darf. Die Vorgaben kannst du jeweils in den Landesbauordnungen der Länder nachlesen.


Anzeige

Michael Janzen

Tiny House Floor Plans: Over 200 Interior Designs for Tiny Houses



Zusätzliche Voraussetzungen

Neben der maximalen Größe des Gebäudes gibt es meistens noch drei weitere Voraussetzungen. Dazu gehört, dass weder ein Aufenthaltsraum, eine Toilette noch eine Feuerstätte vorhanden sein dürfen. In einigen Bundesländern finden sich hierzu wieder unterschiedliche Regelungen. So gelten in Baden-Württemberg Räume erst dann als Aufenthaltsräume, wenn sie eine Raumhöhe von mindestens 2,30 m haben. Niedrige Decken in einem Tiny House sind zwar nicht immer von Vorteil, ermöglichen aber das Bauen ohne Genehmigung.

Feuerstätten sind Orte, die durch Verbrennung Wärme erzeugen. Diese Feuerstätten müssen ortsfest sein. Eine Kerze zählt also ebensowenig als Feuerstätte wie ein Campingkocher. Ein dauerhaft installiertes Gaskochfeld oder ein Holzofen hingegen sind tabu.

Toiletten wiederum sollten ebenfalls nichts ortsfest sein. Ob du hier ein Plumpsklo außerhalb des Tiny Houses errichtest oder lieber eine mobile Toilette nutzt, bleibt dir überlassen. Ich würde dir aber grundsätzlich zu einer Trockentrenntoilette oder einem Chemieklo raten, die du notfalls einfach vor die Tür stellen kannst.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Wir leben in Zeiten eines schwierigen Klimas. In Deutschland wird immer mehr Wert auf schonendes Bauen und energiesparendes Wohnen gelegt. Deswegen gibt es Regeln dazu, wie ein Haus gedämmt sein muss. Dadurch wird sichergestellt, dass Neubauten möglichst wenig Energie für das Heizen oder Kühlen benötigen. Das ist gut, denn das spart auf Dauer Geld und ist gut für die Umwelt. Beim Bauen musst du deswegen gut überlegen, wie du dein Haus so dämmen kannst, dass du dem GEG entsprichst und dennoch genügend Wohnfläche hast.

Hier gibt es unendliche Möglichkeiten. Du kannst ganz klassisch mit Mineralwolle dämmen. Diese ist auch heute noch gefragt und vergleichsweise günstig. Um dem GEG zu entsprechen brauchst du davon jedoch ziemlich viel, sodass deine Wände sehr dick werden. Durch die räumliche Begrenzung verlierst du so an Wohnfläche. Du kannst auch auf Hartschaumplatten zur Dämmung zurückgreifen. Diese erreichen die gleiche Dämmwirkung bei geringerer Stärke. Wie du vorgehst, hängt ganz von deinen Wünschen ab.

Zur einfacheren Planung deiner Dämmung empfehle ich dir den U-Wert-Rechner von ubakus, den du abends und am Wochenende kostenlos nutzen kannst.


All diese Infos habe ich für dich zusammengestellt. Wenn du magst, darfst du dich gerne dafür bedanken.

Inhalte von Powr.io werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf die Cookie-Richtlinie (Funktionell und Marketing), um den Cookie-Richtlinien von Powr.io zuzustimmen und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in der Powr.io-Datenschutzerklärung.

Ein Energieausweis muss nicht sein

Jedes neue Haus verfügt mittlerweile über einen Energieausweis, welcher angibt, wie energieeffizient das Gebäude ist. Baust du ein Tiny House, steht es dir frei, ob du einen solchen Energieausweis beantragst oder nicht. Denn für Gebäude unter 50 m2 sind diese Nachweise nicht erforderlich. Das bedeutet aber nicht, dass du dann nicht auf eine gesetzeskonforme Dämmung achten musst. Auch ohne Energieausweis brauchst du diese.

Sonst noch was?

Natürlich gibt es zig andere Dinge, auf die du beim Bauen achten musst. Wasseranschlüsse müssen dicht sein, Stromkabel sollten nur vom Fachmann angeschlossen werden, ein Baugerüst muss gut gesichert sein und so weiter. Aber all das sind Grundsätze, die für jedes Haus gelten und denen du dir als Bauherr ohnehin bewusst sein solltest. Darauf möchte ich hier nicht auch noch eingehen. Vielmehr sind es die besonderen Regeln, über die oftmals niemand spricht, die ich hier erwähnen wollte.

Ein Tiny House als Zweitwohnsitz

Solltest du dein Tiny House als Zweitwohnsitz nutzen, gibt es deutlich weniger strenge Regeln. So kannst du in Deutschland zum Beispiel als Dauercamper in einem ganz normalen Wohnwagen auf einem Campingplatz einen Zweitwohnsitz haben. Die einzige Voraussetzung dafür ist der passende Campingplatz. Ist das Dauercamping dort erlaubt, kannst du einen Zweitwohnsitz anmelden. Du musst aber dann nicht nach den Landesbauordnungen dein Tiny House bauen, sondern dich bloß an die Regeln des Campingplatzes halten. Ein kleines Detail, welches du in Betracht ziehen solltest.


Alle Infos habe ich nach bestem Wissen und Gewissen für dich zusammengestellt. Ich gebe keine Garantie auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit. Du musst selbst entscheiden, ob, wie und wo du baust, und dich für deine ganz persönliche Situation erkundigen.