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Warum soll es ein Mini Tiny House werden?

Ein Tiny House ist klein. Wie klein, das ist nicht verbindlich festgelegt, aber mehr als 40 m2 hat es in der Regel nicht. Ein Haus, das bloß 40 m2 hat, finde ich selbst durchaus klein. Zum Wohnen hingegen sind 40 m2 recht bequem. Die meisten Studentenwohnungen, die ich mir vor einigen Jahren angesehen habe, hatten lediglich zwischen 20 und 25 m2 und waren problemlos bewohnbar. Sicher, einen Klavierflügel*, ein Sofa, ein Bett, eine Küche mit Kochinsel, ein Kinderzimmer und einen separaten Empfangsbereich bekommt man dort nur schlecht unter, aber wohnen lässt es sich dennoch ohne große Einschränkungen.

Für mich gehört deswegen zu einem Tiny House nicht nur, dass es für ein Haus eben erstaunlich klein ist, sondern dass es ganz grundsätzlich klein ist. Tiny Houses, deren Grundfläche (Loft nicht mit eingerechnet) mehr als 20 m2 haben, bereiten mir Schwierigkeiten. Zwar geht es bei der Tiny House Bewegung nicht um mich, aber dennoch muss ich mich damit arrangieren können. Und für mich gilt, dass ein Tiny House eben wirklich nicht groß ist. Und meines soll es natürlich auch nicht sein.

Immer größer? Nein, immer kleiner!

Heutzutage ist es vollkommen normal, dass man alles noch größer macht. Größere Autos, Bildschirme, Häuser, Bauklötzchentürme ... Es geht immer darum, sich zu vergrößern. Ich finde, dass da nicht immer etwas dagegen spricht. Solange sich diese Ansprüche mit dem eigenen Leben und dem der anderen in Einklang bringen lassen, ist das völlig in Ordnung. Mir sagt dieser Gedanke allerdings nicht zu, ich bevorzuge es, das zu haben, was ich brauche. Und das ist nicht viel. Ich habe kein Auto, besitze keine Monatskarte und schreibe diesen Text auf einem 13"-Bildschirm – problemlos übrigens. In meinem Leben ist weniger mehr. Ich will gar nicht so viele Dinge haben, aber auch nicht so wenige, wie manch ein Minimalist. Wenn ich meinen Kleiderschrank öffne, habe ich jedes Mal den Eindruck, zu viele T-Shirts zu haben. Wenn jemand anderes meinen Kleiderschrank öffnet, schlägt er die Hand vor den Mund und sagt: "Du hast ja gar nichts zum Anziehen!" Gut, mag sein, dass diese Personen immer dann in meinen Schrank schauen, wenn ich gerade Waschtag habe. Fakt ist, dass es meine Kleider sind und ich mit dem, was ich habe, super auskomme. Ein paar weniger wären kein Problem. Aber warum soll ich etwas wegwerfen/spenden, wenn es noch passt und vielleicht mal eines der uralten Kleidungsstücke ersetzt, die kurz davor stehen, sich aufzulösen?

Ich bin ein praktisch denkender Mensch. Ich kaufe mir alles entsprechend seinem Einsatzzweck. Hosen müssen robust sein, Schuhe wasserdicht und mit gutem Profil, Essen muss schmecken und Bücher müssen sich interessant anhören. Sollte ich bei der Einschätzung falsch liegen, dann entscheide ich mich eben nachträglich neu und gebe die alten Sachen her. Aber einfach etwas kaufen, damit es gekauft ist, das passiert bei mir nicht. Allein schon deswegen nicht, weil ich nicht allzu viel verdiene und sowieso gut über das nachdenke, was ich kaufe.

Klein, kleiner, Mini Tiny House

Die Idee des Mini Tiny House ist genau aus diesem Grund entstanden. Zunächst ist es rechtlich in meinem Fall die einfachste – und reizvollste – Lösung, besonders klein zu bauen. Aber es ist für mich auch praktisch. Ich brauche im Leben nicht viele Dinge. Je mehr Platz ich habe, desto mehr kann ich anhäufen. Ich lege Wert auf das Wesentliche und das bekomme ich auch auf 12 m2 unter. Warum also sollte ich dann größer bauen? Mehr Geld ausgeben für den Bau, um dann mehr Platz zu haben, den ich mit Dingen füllen kann, die ich eigentlich nicht brauche? Meiner praktischen Denkweise gefällt diese Vorstellung nicht.

So entstand die Idee des Mini Tiny House. Es ist machbar, es hat einige Vorteile, bietet dafür aber einfach nicht so viel Platz. Dennoch gefällt mir die Herausforderung daran, einen so kleinen Raum mit allem auszustatten, was mir wichtig ist. Sicher habe auch ich mir schon größere Tiny Houses für mich vorgestellt, dabei aber sehr schnell gemerkt, dass ich dabei zu "normal" denke. Ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer, eine Küche, ein Bad. Und wenn wir dann schon dabei sind, wäre doch eine separate Toilette nicht schlecht und vielleicht noch ein Hobbyraum ... Ich brauche eine räumliche Begrenzung, damit ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Und indem ich baugenehmigungsfrei baue, habe ich klare Grenzen vorgegeben.

Warum also mehr und größer, wenn ich es doch eigentlich gar nicht brauche? Solange mir darauf keine Antwort einfällt, scheint diese Herangehensweise für mich auch nicht die richtige zu sein. Ich bleibe bei meinem Mini Tiny House.


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