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Tiny House Alternative: ein Mobilheim kaufen

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Warst du schon mal in Spanien, Italien oder Frankreich auf einem Campingplatz? Falls ja, bist du über den gesamten Platz gelaufen und hast dich dort umgesehen? Irgendwo findest du nämlich immer ein paar Mobilheime, die das ganze Jahr auf dem Campingplatz stehen und von Urlaubern gemietet werden können. Sie reisen nicht mit dem Wohnwagen oder Zelt an, sie mieten sich ein Mobilheim vor Ort. Diese speziellen Tiny Houses kann man sich auch privat kaufen, sie ausbauen und darin wohnen.


Inhaltsverzeichnis


Was ist ein Mobilheim?

Mobilheim Tiny House
Bild von Kevin Phillips auf Pixabay

Im Prinzip ist ein Mobilheim ein ziemlich großer Wohnwagen. Es ist ausgestattet mit allem, was man braucht. Schlafzimmer, Badezimmer, Wohnzimmer und Küche. Je nach Modell gibt es zwei oder drei Schlafzimmer und eine separate Toilette. Es handelt sich also um ein kleines Haus, welches aber unbedingt auf Rädern stehen muss. Sonst wäre es ja nicht mobil. Da ein Mobilheim oft in südlichen, warmen Ländern auf Campingplätzen steht, ist es meist mit einer Terrasse oder einem größeren Außenbereich ausgestattet. Der Platz im Inneren ist nicht unbedingt darauf ausgelegt, dass man dort länger verweilt. Das geht aber dennoch. Eng ist es in einem Mobilheim nicht. Ganz im Gegenteil, es ist sogar sehr geräumig. Und ich weiß wovon ich spreche. Meine Kindheitsurlaube fanden fast alle in solchen Mobilheimen statt. Ich fand das super!

Kann man ein Mobilheim als Tiny House nutzen?

Ja, ein Mobilheim lässt sich als Tiny House nutzen. Aber nicht jedes davon kommt infrage. Je nach Modell und Hersteller sehen Mobilheime natürlich sehr unterschiedlich aus. Das eine ist besonders lang, das andere hat einen begehbaren Kleiderschrank und das nächste setzt auf drei Schlafzimmer und nur ein kleines Wohnzimmer. So, wie es auch hunderte verschiedener Möglichkeiten bei einem Wohnwagen gibt, so hast du eine große Auswahl an Mobilheimen.

Die rechtlichen Aspekte müssen passen

Zunächst wäre da die Sache mit den Rädern. Meistens ist ein Mobilheim breiter als ein Tiny House. Das macht sie so komfortabel. Ein Anhänger darf nach der deutschen StVZO (§ 32 Abs. 1, Nr. 1) maximal 2,55 m breit sein. Und hier sprechen wir vom Außenmaß. Egal ob nun Mobilheim oder Tiny House, diese 2,55 m dürfen nicht überschritten werden, wenn man das Haus immer wieder umstellen will. Ist der Anhänger breiter, brauchst du nicht nur spezielle Zugfahrzeuge, sondern auch eine Sondergenehmigung, wenn du damit auf der Straße unterwegs bist. Praktisch geht das, aber wenn du mit deinem Haus immer wieder umziehen willst, ist ein Mobilheim keine gute Idee.

Dünne Wände sorgen für Probleme

Isolierung Tiny House
Bild von Alina Kuptsova auf Pixabay

Den nächsten entscheidenden Punkt stellen die Wände, das Dach und der Boden dar. Mobilheime sind leicht. Sie gehören zur Kategorie Wohnwagen und haben die gleichen Probleme, die dort auch immer wieder zu finden sind. Die Isolierung ist schlecht und undichte Stellen gibt es früher oder später immer. Durch die dünnen Wände dringt im Sommer nicht nur die Wärme nach innen, im Winter bleibt es auch nicht von alleine warm in der Stube. Ohne Klimaanlage und Heizung geht gar nichts. Die wiederum fressen sehr viel Strom, Gas, Holz oder Sonstiges. Sie sind auch unglaublich schlecht für die Umwelt, wenn man keine gute Isolierung hat. Noch dazu können Gespräche problemlos nach draußen dringen und der Gesang unter der Dusche erfreut die Nachbarn nur, wenn der Sänger Talent hat. Wobei dieses Problem unabhängig von der Wandstärke besteht.


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Mobilheime lassen sich zu Tiny Houses umbauen

Wenn du das Mobilheim dennoch als Alternative zum Tiny House in Betracht ziehst, kann ich dich beglückwünschen. Denn es eignet sich super zum Anpassen und Ausbauen. Gebrauchte Mobilheime bekommst du ab 10.000 Euro. Der Markt ist zwar sehr klein, aber das Potenzial ist eben doch vorhanden, um auch aus den alten und defekten Häuschen etwas zu machen.

Die Vorteile beim Ausbau eines Mobilheims

Lässt du dein Tiny House an einem Ort stehen, bietet dir ein Mobilheim eine sehr gute Struktur, mit der du arbeiten kannst. Du musst einen einzigen Transport an den Zielort organisieren und kannst dann ungeniert bauen. Du musst nicht alles komplett von vorne planen und durchdenken, sondern hast schon ein Gerüst, an dem du arbeiten kannst. Je nach Qualität des Mobilheims ist das viel Arbeit, oder du brauchst kaum etwas zu tun. Außerdem siehst du, wie das Mobilheim ursprünglich geplant und ausgebaut war und kannst dich daran orientieren. Gerade dann, wenn du keine genaue Vorstellung hast, wenn dir die Ideen und die Inspiration fehlen, oder wenn du bloß eine saisonale Unterkunft haben willst, bist du mit einem Mobilheim als Tiny House sehr gut bedient.


Die Vorteile eines Mobilheimes im Überblick

 

  • Ausbau möglich aber nicht immer nötig
  • Planung muss nicht von Beginn an erfolgen
  • Günstige Ausgangsbedingungen

Darauf musst du beim Ausbau unbedingt achten

Entscheidest du dich tatsächlich für ein Mobilheim, welches du umbaust, solltest du unbedingt darauf achten, dass alles dicht ist. Das ist und bleibt bei diesen mobilen Häusern ein Problem. Leider wird das auch nicht besser, wenn es dauerhaft an einem Ort steht. Sorge dafür, dass von außen kein Wasser eindringen kann, sonst wirst du damit nicht glücklich. Auch hier spreche ich aus Erfahrung. Hat ein Wohnwagen erst mal eine undichte Stelle, kann man jedes Jahr neue Dichtungen einbauen, Löcher stopfen und Wände reparieren.

Außerdem ist die Dämmung wirklich wichtig. Wie schon gesagt, man hört nicht nur Geräusche sehr gut, das Kühlen im Sommer und das Heizen im Winter werden kostspielig und schaden der Umwelt, wenn du auf eine anständige Isolierung verzichtest. Außerdem ist sie Pflicht, wenn du dauerhaft in einem Mobilheim wohnen möchtest. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt eine gute Isolierung für Neubauten vor. Du kannst sie in einem Mobilheim sowohl von innen, als auch von außen anbringen. Wenn du ohnehin auf die Wasserdichtigkeit achten musst, empfiehlt sich die Isolierung von außen. So bleibt der Raum innen groß. Möchtest du den Charakter des Mobilheims sichtbar beibehalten, dann isolierst du nach innen, verlierst aber ein wenig an Raum.

Grundriss Tiny House
Bild von Anja🤗#helpinghands #solidarity#stays healthy🙏 auf Pixabay

Was sich in einem Mobilheim außerdem anbietet, ist eine neue Aufteilung. Diese mobilen Häuser sind auf Urlauber ausgelegt, die nur ein paar Wochen darin verbringen. Oftmals gibt es drei Schlafzimmer und sechs Betten und sogar im Wohnzimmer können noch Menschen übernachten. Kannst du einen Raum nicht nutzen, kann es tatsächlich sinnvoll sein, ihn zu entfernen oder einige Wände abzureißen. Allerdings könnte die Statik des Leichtbaus darunter leiden. Einfacher ist es, wenn du bereits ein Mobilheim wählst, welches einen passenden Grundriss hat. Aufgrund der wenigen Angebote von gebrauchten Mobilheimen kann es allerdings eine Weile dauern, bis du ein passendes Modell findest. Ein neues zu kaufen, um es als Tiny House zu nutzen, lohnt sich meistens nicht. Nicht nur, weil es sehr teuer ist, sondern auch, weil du zusätzlich Anpassungen vornehmen musst, wenn du dort dauerhaft wohnen willst.

Lohnt sich der Umbau vom Mobilheim zum Tiny House?

Ob es sich tatsächlich lohnt, aus einem Mobilheim ein Tiny House zu machen, hängt von individuellen Faktoren ab. Ja, es kann sich lohnen. Es kann aber auch viel zu teuer und umständlich werden. Wenn du Glück hast und günstig an ein passendes Mobilheim kommst, ist es sicher eine gute Investition. Möchtest du ganzjährig darin wohnen, wird es aber vermutlich schwieriger. Auch hier kann dir das Glück in die Hände spielen. Aber unter Umständen bist du besser bedient, doch ein Tiny House ganz von vorne zu planen und umzusetzen – oder planen und umsetzen zu lassen. So oder so, wenn du die Möglichkeit hast, ein Mobilheim zu besichtigen, dann nutze sie. Auch wenn sie oftmals größer sind als gewöhnliche Tiny Houses auf Rädern, so zeigen sie dir die Möglichkeiten, die du eben hast. Mobilheime haben nie Schlaflofts. Tiny Houses hingegen haben oftmals sogar zwei davon. Es geht auch ohne. Lass dich inspirieren und schau auf Campingplätzen oder bei Verkäufern von Mobilheimen vorbei. De Bergjes hat eine Niederlassung und Ausstellungsfläche in Deutschland und die Modelle von LACET können direkt an der deutschen Grenzen in den Niederlanden besichtigt werden. Oder du machst einfach mal Urlaub in einem Mobilheim. Das macht auch Spaß.


Beitragsbild von Joshua Woroniecki auf Pixabay

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Kommentare: 1
  • #1

    Miriam (Montag, 24 Mai 2021 13:50)

    Was würdest du lieber nutzen? Ein Mobilheim oder ein echtes Tiny House, das du komplett nach deinen Wünschen errichtest?