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Ein Tiny House für Obdachlose – Eine gute Lösung?

Mein Mini Tiny House ist nicht aus der Not heraus entstanden. Nein, wirklich nicht. Ich will dieses Haus bauen und das schon seit vielen Jahren. Es ist ein Lebenstraum für mich. Anders sieht es aus, wenn Obdachlose in ein Tiny House einziehen. Denn das gibt es auch. Nicht nur in den USA.

Eher eine Wohnbox als ein Tiny House

Wenn wir von Tiny Houses für Obdachlose sprechen, geht es normalerweise nicht um die klassischen Tiny Houses. Zwar gibt es einige Wohnparks, in denen mehrere große Tiny Houses stehen und Obdachlose dort unterkommen, doch meistens sind es eher Wohnboxen, die Platz für ein Bett und ein bisschen Aufbewahrung bieten. Räder haben sie meistens trotzdem. Allerdings wesentlich kleinere als bei einem Anhänger, der im Straßenverkehr unterwegs ist. Die Wohnboxen für Obdachlose lassen sich so mitunter sogar von Hand durch die ganze Stadt schieben.

Da der Begriff Tiny House nicht offiziell definiert ist und eine Wohnbox mit weniger als 4 m2 definitiv winzig ist, ist die Bezeichnung also korrekt, aber eben auch verwirrend. Wir verstehen unter einem Tiny House schlichtweg etwas anderes. Ein günstiges kleines Häuschen. Aber für einen Obdachlosen noch immer viel zu teuer. Anders die Wohnboxen. Je nachdem, wie sie gebaut sind, kosten sie mitunter nur 100 Euro und bieten trotzdem genügend Schutz vor der Witterung, vor Blicken und vor Gefahren. Sie bieten denjenigen ein Stück Privatsphäre, die andernfalls unter freiem Himmel schlafen müssten.

Holz oder Plastik – Alles ist willkommen!

Das erste Mal bin ich mit diesen Wohnboxen für Obdachlose über Paul Elkins auf YouTube in Kontakt gekommen. Meine Suche hat sich damals um einen Wohnwagen für das Fahrrad gedreht. Die Lösung, die Paul Elkins gebaut hat, war für Obdachlose gedacht, eignete sich aber auch für einen Fahrradanhänger. Sein Material: Hohlkammerplatten. Bis heute bin ich von dieser Idee begeistert. Leicht, günstig und stabil. Einziges Problem: die passenden Hohlkammerplatten zu finden. Das scheint in den USA wesentlich einfacher zu sein. Für einen deutschen Winter sind solche Obdachlosenunterkünfte aber nur bedingt geeignet. Eine gute Isolierung ist schwierig, aber natürlich bietet so eine Wohnbox aus Plastik trotzdem mehr Schutz, als eine Nacht unter freiem Himmel.

Der Verein Little Home e.V. aus Köln setzt auf schwerere Häuser aus Holz, die eine bessere Isolierung und mehr Raum bieten. Und dies ist nur ein Verein von vielen anderen Organisationen und Privatpersonen, die Tiny Houses für Obdachlose bauen. Ihr Ziel ist überall gleich. Sie versuchen Wohnraum für diejenigen zu schaffen, die andernfalls überhaupt keine Chance darauf haben. Diese kleinen Häuschen finden dann hoffentlich irgendwo einen Platz, an dem sie stehen dürfen. In manchen Städten versucht man, mehrere Wohnboxen für Obdachlose an einem Ort aufzustellen und so eine Gemeinschaft zu bilden. Andere Städte legen Wert darauf, dass genau das nicht passiert. Hier werden die Wohnboxen einzeln an verschiedenen Orten platziert. Diese zu finden ist oftmals schwierig, denn nicht jeder möchte auf seinem Grundstück einen Obdachlosen beheimaten. Dennoch findet sich fast immer ein Platz für das sehr kleine Tiny House und damit entsteht ein sicherer Rückzugsort für mindestens eine Person.

Können Tiny Houses das Problem der Obdachlosigkeit lösen?

Während ich nun also den Bau meines Häuschens plane und mich sehr darauf freue, zittert unter irgendeiner Brücke ein Mensch, der gar nicht erst daran denkt, jemals wieder in einem Haus wohnen zu dürfen. Könnte für ihn ein Tiny House, eine Wohnbox oder wie auch immer man es nennen mag, eine Lösung darstellen? Ich würde sagen, das hängt von der Person ab. So merkwürdig es sich für uns anhören mag, es gibt Obdachlose, die gerne auf der Straße leben und ihre Unabhängigkeit und Freiheit lieben. Das Wohnen in einer Wohnbox oder einem Haus kommt für sie gar nicht mehr infrage. Entsprechend wäre das für sie auch keine Lösung.

Für viele andere Obdachlose stellt sie einen Schritt in ein neues Leben dar. Doch auch für sie hält die neugewonnene Struktur häufig Probleme bereit. Je länger jemand auf der Straße lebt, desto mehr ist er an Flexibilität und Freiheit gewohnt. Einen festen Wohnsitz zu haben, ist eine Herausforderung. Noch dazu erhalten die meisten Menschen ihr Tiny House nur unter einigen Bedingungen. Das regelmäßige Bewohnen, Sauberhalten und sicher Verschließen klingt ganz einfach. Wer das seit Jahren nicht kennt, tut sich mitunter schwer damit. Und wenn er sich dann nicht an diese Regeln hält, muss er sein Tiny House unter Umständen wieder abgeben.

Entsprechend kann man das Problem der Obdachlosigkeit in Deutschland – und in jedem anderen Land dieser Welt – wohl nicht mit Tiny Houses lösen. Aber ich denke, es ist eine einfache Geste, die schön und gut umgesetzt werden kann, und für viele Menschen sehr viel bewegt. Ich wohne auf dem Land. Obdachlose sieht man hier nicht. Reizen würde es mich aber sehr wohl, solche Häuser zu bauen. Ich weiß nicht, was meine Zukunft bringt, aber der Bau meines Tiny Houses könnte mir genügend Wissen und Fähigkeiten liefern, um in einigen Jahren selbst mal ein solches Projekt anzugehen. Und falls nicht, habe ich mit diesem Beitrag vielleicht einen anderen dazu inspiriert, eine kleine Wohnbox für einen wohnungslosen Menschen zu bauen.


Beitragsbild Q K auf Pixabay 

Kommentare: 2
  • #2

    Robert Merkel (Donnerstag, 11 November 2021 17:43)

    Ich suche für einen Obdachlosen kurzfristig ein Mini Tiny Haus.
    Bitte um nähere Informationen.
    mfg

  • #1

    Miriam von Mini Tiny House (Mittwoch, 12 Mai 2021 14:43)

    Würdest du gerne jemandem ein Häuschen bauen, der dringend eines braucht? Oder hast du sogar schon mal solche Wohnboxen gesehen?