· 

Ein Bausatzhaus zieht mich an

Wer ein Tiny House baut, hat zwar eingeschränkte Möglichkeiten, aber innerhalb dieser Möglichkeiten dann wieder sehr viele Möglichkeiten. Holz oder Stahl? Kurz oder lang? Räder oder nicht? Loft oder nicht? Das Bauprojekt ist sehr vielfältig. Mit dieser Vielfältigkeit habe auch ich zu kämpfen. Es soll klein sein und keine Räder haben. Das steht fest. Aber alles andere? Ich weiß es doch selbst nicht!

Von Anfang an war da ein Bausatz

Ich glaube, es ist mittlerweile zwei Jahre her, als ich zum allerersten Mal das Gartenhaus „Hedwig“ aus der Nordic-Serie von Palmako entdeckt habe. Ich musste natürlich sofort an die Schneeeule von Harry Potter denken. Dieses Gartenhaus hat weniger als 40 m3 und war deswegen von Anfang an für mich interessant. Es ermöglicht tatsächlich das genehmigungsfreie Wohnen auf etwa 12 m2 und ist dabei mit ca. EUR 3.000,00 recht günstig.

Richtig grandios finde ich das Baukastensystem. Die Wände bestehen aus einzelnen Wandelementen, die frei angeordnet werden können. So kann man Fenster und Türen frei platzieren. Ein wichtiger Punkt für mich, denn viele vorgefertigte Gartenhäuser haben Fenster dort, wo ich sie gar nicht brauchen kann.

Außerdem sind die Wandelemente bereits für eine Isolierung vorbereitet. Sie bieten Platz für eine 70 mm starke Isolierung. In meinem Fall ist das zwar zu wenig, aber je nachdem, womit man sein Häuschen isolieren möchte, können diese 70 mm bereits ausreichen. Und um die Isolierung zu schützen, ist sogar eine Windschutzfolie bereits vorinstalliert.

Ist das nicht zu klein?

Die 12 m2 des kleinen Gartenhäuschens von Palmako sind natürlich ziemlich wenig. Ein Loft lässt sich wegen der geringen Deckenhöhe nicht nutzen. Als dann bei mir die Frage aufkam, ob es nicht doch ein Tiny House mit Baugenehmigung werden sollte, bin ich zur Nordic+-Serie von Palmako gekommen. Das flexible Prinzip besteht auch hier. Die Wandelemente können frei angeordnet werden und die Wände sind sogar für eine noch stärkere Isolationsschicht vorbereitet. Umso besser!

Unglücklicherweise ist dieser Bausatz jedoch für meinen Bauplatz zu groß. Mein Tiny House darf höchstens 4 m tief sein, sonst gibt es Probleme mit den Abständen zu bestehenden Gebäuden. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht Lösungsansätze fände.

Warum nur eine Hedwig?

Harry hatte nur eine Eule. Aber ich könnte doch zwei nehmen. Stellt man zwei Gartenhäuser mit den kurzen Seiten aneinander und lässt dann jeweils eine Außenwand weg und verschiebt den Dachüberstand, kann man problemlos ein längeres Gartenhaus kreieren. Die Tiefe kann man nicht verändern, aber die Länge eben schon. Und man ist dabei sogar flexibel. Das Trägerwerk des Fundaments muss man in der Länge je nach Wunsch etwas kürzen, und es bleiben natürlich Wandelemente übrig, wenn man zwei Seitenwände weglässt, aber auf diese Weise erhält man ein klassisches Tiny House, wie es meist auf Rädern steht. Es ist etwas breiter, aber durch die dennoch schmale und lange Form kommt ein entsprechendes Feeling auf, das an das klassische Format von Tiny Houses auf Rädern erinnert. Einzig die Höhe passt diesbezüglich nicht. Mit nur etwa 2,75 m Raumhöhe an der höchsten Stelle und einer Wandhöhe von etwa 2 m ist „Hedwig“ recht niedrig. Hier bietet sich die Isolierung an der Oberseite des Daches an, um nicht noch weiter an Höhe zu verlieren.

Und die übrigen Wandteile?

Lässt man bei zwei Bausätzen einfach zwei Wände weg, bleiben einige Wandelemente übrig. Die kann man im Haus als Trennwände oder für Räume wie das Badezimmer verwenden. Auch ein Windschutz vor dem Eingang oder ein Sichtschutz zu den Nachbarn kommt infrage. In meinem Fall würde daraus ein kleines Gerätehaus für die Gartengeräte entstehen. Das spart auch hier wieder Materialkosten und vermeidet natürlich Müll.

Man kann einzelne Wandelemente übrigens direkt beim Händler kaufen und seinen Bausatz weiter individualisieren. Wer also statt den zwei Fenstern lieber drei möchte, kann ein vorbereitetes Wandelement kaufen und ein anderes dadurch ersetzen. Prinzipiell lässt sich so jedes Teil des Hauses auch einzeln kaufen. Allerdings fällt dann alles andere, wie der Fußboden und das Dach in die eigenen Hände. Und das lohnt sich dann vermutlich doch nicht mehr.

Die Idee klingt vielleicht ein wenig merkwürdig und natürlich könnte man das gesamte Trägerwerk selbst bauen und alles individualisieren, aber es ginge auch mit diesem Bausatz. Einem Bausatz, der mich seit Jahren verfolgt und immer dann mit neuen Möglichkeiten auftaucht, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Fast ein bisschen gruselig.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0