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Räder oder keine Räder?

In Deutschland denken die meisten Menschen bei Tiny Houses an solche, die auf einem Anhänger gebaut werden und damit Räder haben. In der Tat sind es exakt diese Tiny Houses auf Rädern, die besonders in den Medien vorkommen. Sie sind außergewöhnlich und sehen eben nicht wie typische Wohnwagen aus, sondern wie Häuser auf Rädern.

The Rolling House

Tiny Houses auf Rädern sind nicht nur ein Hingucker, sie haben auch viele Vorteile. Der größte davon ist offensichtlich: die Bewohner sind mobil. Das gesamte Haus lässt sich problemlos abbauen und an einer anderen Stelle wieder aufbauen. Wer umzieht, zieht nur an einen anderen Standort, nimmt sein Haus jedoch mit. Und das überall auf der Welt*. Besonders reisefreudige Menschen begrüßen diese Möglichkeit.

Innerhalb von Deutschland sind es jedoch oftmals genau diese Räder, die das Wohnen in einem Tiny House deutlich erschweren. In den meisten Bundesländern ist es nicht vorgesehen, dass man in einem Wohnwagen wohnt. Offiziell werden Tiny Houses auf Rädern dieser Kategorie Fahrzeug zugeordnet. Wer das kleine, mobile Haus also bewohnen will, muss es als Gebäude anerkennen lassen und parken beziehungsweise bauen. Mancherorts wird dafür eine Baugenehmigung fällig. Auch dann, wenn man es nach einigen Monaten wieder abbaut, um weiterzuziehen. Wer Pech hat, benötigt dann sogar eine Genehmigung zum Abriss des Gebäudes. Das erschwert die Wahl des Standorts enorm, da das Aufstellen und Bewohnen schlichtweg nicht überall erlaubt ist - auch nicht für wenige Wochen.

Hinzu kommt die Wohnadresse, die eben nicht überall bei einem Haus auf Rädern erlaubt ist. Einige Tiny House Bewohner umgehen dieses Problem, indem sie einen Erstwohnsitz bei Bekannten oder Verwandten haben, tatsächlich aber an einem anderen Ort im Tiny House wohnen. Es kann also ein großes Wirrwarr entstehen, wenn man ein Tiny House auf Rädern bezieht und dieses nicht dauerhaft an einem Ort bewohnen will.

Keine Räder, keine Probleme?

Einfacher ist es, wer sein Tiny House nicht auf Räder stellt, sondern fest mit dem Boden verbindet. Solche Tiny Houses sind zwar örtlich nicht sonderlich flexibel, können jedoch bei einer kreativen Modulbauweise dennoch abgebaut und an einer anderer Stelle wieder errichtet werden. Dies bedeutet einen deutlich größeren Aufwand, hat jedoch den Vorteil, dass diese Tiny Houses in Deutschland eben als Gebäude gewertet werden, und damit eindeutig definiert ist, welche Behörden dafür zuständig sind, ob der Bau einer Genehmigung bedarf und welche Vorgaben das Tiny House erfüllen muss. Damit entstehen keine rechtlichen Schwierigkeiten beim legalen Bewohnen und auch die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) spielt keine Rolle. Das Tiny House ohne Räder kann also nach den eigenen Wunschmaßen und mit deutlich mehr Flexibilität bei der Auswahl der Baumaterialien erreichtet werden.

Dennoch kann auch der ortsfeste Bau Probleme mit sich bringen, die bei einem Tiny House auf Rädern nicht entstehen. Zum einen hat man die Möglichkeiten, größer zu bauen, was viele Bauherren dazu bringt, dies auch zu tun. Grundsätzlich ist das nicht schlimm, aber es sorgt bei einigen von ihnen dafür, dass sie am Ende eben doch nicht ganz so klein bauen, wie sie es eigentlich vorhatten. Weiterhin muss man sich meist an die Gepflogenheiten der Wohnsiedlung halten. Die Ausrichtung, Dachform und sogar die Fassadenfarbe können vorgegeben sein. Das kann beim temporären Aufstellen eines Tiny Houses auf Rädern zwar ebenfalls ein Problem werden, wird jedoch auch hin und wieder ignoriert, falls klar ist, dass das kleine Haus ohnehin nicht lange bestehen bleibt.

Und wie ist das bei mir?

Mein Tiny House wird nicht auf Rädern stehen. Das war von Anfang an klar. Nicht nur, dass ich dann rechtlich deutlich größere Probleme beim Parken, Bauen und Wohnen hätte, es hätte für mich auch keinerlei Nutzen. Ich möchte mit meinem Tiny House nicht reisen, ich habe keinen Führerschein und ich will auch gar nicht woanders wohnen. Ich will es einfach bloß gemütlich und klein haben. Ganz ohne Räder. Aber aus Spaß zwei alte Wagenräder als Deko an das Haus anbringen, das kann ich mir durchaus vorstellen. Irgendwo beim Nachbarn hab ich mal welche gesehen ...

So toll ich die Idee der Tiny Houses auf Rädern auch finde, für mich ist diese Option nichts. Mein Mini Tiny House soll nicht reisen und ich will es auch nicht. Ich bin eher heimatverbunden und bleibe gerne dort, wo ich herkomme und mich wohl fühle. Den einen ist das zu langweilig, mich aber macht es glücklich. Deswegen fallen für mich viele Auflagen beim Bau weg. Mein Haus kann so schwer werden, wie mir lieb ist und ich muss mir keinen Platz suchen, auf dem ich es bauen kann und im fertigen Zustand auch auf die Straße bekomme. Die Garage am Haus, das ich jetzt bewohne, wäre dafür zu klein und der Garten zwar schön groß, aber die Zufahrt zu schmal. Das fertige Tiny House müsste mit einem Kran auf die Straße gehoben werden. Nein, all diese Probleme habe ich nicht. Ich baue ein Mini Tiny House, das in das Ortsbild passt und sich von den umliegenden Gebäuden vor allem durch seine Größe unterscheidet. Das ist schon alles. Keine Räder, dafür eine Veranda und wer weiß, vielleicht ja noch eine Zugbrücke, eine Solarwand oder ein Geländer aus Hochbeeten ...


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