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Vorsicht vor der Tiny House Bewegung in den USA

Die Tiny House Bewegung kommt – wie so Vieles – aus den USA. An sich ist das ja völlig egal, Hauptsache, wir wissen davon und können es uns zunutze machen. Aber es birgt auch einige Gefahren, die dir in Deutschland das Genick brechen können, wenn du dich nicht vor dem Bau damit befasst.

Andere Länder, andere Sitten

In den USA ist es beispielsweise völlig normal, einen Deckenventilator oder eine Klimaanlage im Haus zu nutzen. In Deutschland gibt es das zwar, aber es wird sehr viel seltener genutzt. Auch wird in Deutschland solide gebaut. Dicke Wände mit einer guten Isolierung sind hier Standard. In den USA scheinen viele Häuser aus Papier zu bestehen. Jedenfalls wirken sie im Vergleich so, wenn man die dünnen Wände sieht, aus denen Häuser bestehen, die bei einem Tornado gerne auch mal wegfliegen.

Und so kann man diese Liste der Unterschiede eine ganze Weile fortführen. Das Problem dabei ist nicht, dass man diese amerikanischen Eigenarten in Deutschland nicht übernehmen kann, sondern dass man sie oftmals aus rechtlichen Gründen* anpassen muss. Und das muss man wissen, sonst wird das eigene Tiny House Projekt zu einem großen Problem.

Hürden, die man gar nicht bedenkt

Im Mini Tiny House gibt es einige Hürden, die mir vor der konkreten Planung noch nicht bewusst waren, weil ich mich ebenso begeistert und dennoch blindlings auf das Projekt Mini Tiny House gestürzt habe. Da wäre zum einen die Sache mit der Dämmung. In Deutschland müssen Neubauten eine bestimmte Dämmleistung haben. Bei einem gewöhnlichen Haus ist das ganz leicht umsetzbar, indem man beispielsweise dicke Wände verbaut. Das kann sogar staatlich gefördert werden, wenn man die Mindestanforderungen noch unterschreitet. Bei einem Tiny House ist das schwieriger, denn je dicker die Wände sind, desto weniger Platz bleibt im ohnehin schon kleinen Häuschen. Noch dazu wird das gesamte Konstrukt schwerer, was bei einem Tiny House auf Rädern eine große Rolle spielt. Wer auf leichte und dünne Wände setzt, braucht wiederum sehr teure Dämmung, die teilweise nur durch Fachleute eingebaut werden darf.

Auch spielen allgemeine Regeln zum Umweltschutz in Deutschland eine völlig andere Rolle als in den USA. Was man dort für ein Tiny House recyceln kann, findet man hier erst gar nicht – und schon gar nicht geschenkt. Und selbst wenn man es hat, darf man es nicht immer einbauen, weil es zum Beispiel gegen Brandschutzverordnungen verstößt oder in Neubauten nicht mehr verwendet werden darf, weil es die Dämmleistung verändert oder aus irgendwelchen anderen Gründen einfach nicht genehmigt wird.

Die Lösung ist einfach

Bevor du dir ein Tiny House baust oder bauen lässt, solltest du dich darum nicht nur mit der Tiny House Bewegung auf der ganzen Welt auseinandersetzen und dir Anregungen holen, sondern dich auch mit den Regeln vor Ort* vertraut machen. Was darfst du und was nicht? Wie sind die aktuellen Regeln und wie werden sich diese Regeln in den nächsten Jahren voraussichtlich verändern? Das ist besonders wichtig, wenn du mit einem Tiny House auf Rädern immer wieder weiterziehen willst. Gerade hier spielt zum Beispiel die Dämmung eine Rolle, da du dein Tiny House auf Rädern bei einem neuen Stellplatz eventuell als Neubau anmelden musst. Und für diesen gelten strikte Dämmwerte, die immer wieder angepasst werden. Hast du also schon beim Bauen nur knapp die erforderlichen Werte erreicht, kann es sein, dass du schon einige Jahre später nirgendwo mehr eine Genehmigung zum Aufstellen bekommst, weil die neuen Werte geändert wurden.

Derartige Kleinigkeiten haben also eine enorme Wirkung und du solltest sie unbedingt im Blick haben, um deinen Traum leben zu können. Darum gilt die oberste Regel, dass besonders die Tiny House Bewegung in den USA nur als Inspiration dienen kann. Denn in Deutschland ist es weder erlaubt, einfach irgendwo für eine Weile ein kleines Häuschen zu bauen und dort zu wohnen, noch darfst du eine schlechte Isolierung mit einer stromfressenden Klimaanlage betreiben. Es klingt also durchaus einfach, wenn man liest, was andere Tiny House Bewohner sich einfallen lassen, es ist aber längst nicht alles tatsächlich auf die Situation in Deutschland übertragbar.


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