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Zweifel

Es gehört ja im Leben dazu, dass man hier und da mal zweifelt. Man zweifelt an allem, wenn es sein muss. Und ich denke, das gehört auch dazu, wenn man ein Haus baut – und sei es noch so klein. Da kann man sich stundenlang damit auseinandersetzen, ob man nun glänzende oder matte Armaturen im Badezimmer installieren will. Man zweifelt, ob die Haustür wirklich zum Haus passt und ob der Abstand von der Hecke zum Haus nicht doch ein wenig zu klein ist. Mir geht es da nicht anders. Auch ich zweifle gelegentlich.

Die Finanzen

Da wäre zunächst mal das liebe Geld. An sich war der Plan, alle Kosten sofort zu begleichen, wenn sie anfallen, auch wenn das bedeutet, dass man mal ein paar Wochen nicht bauen kann, weil kein Geld übrig ist. Als Bauherrin rechne ich natürlich hier und da mal aus, was Dinge so kosten. Da kommt man dann auf 1.000 Euro alleine bloß für das Holz der Konstruktion. Fassade, Dämmung, Innenverkleidung, Leitungen, Dach etc. noch nicht mit eingerechnet. Klar, 1.000 Euro für das Holz eines ganzen Hauses ist wenig, aber es wird ja auch ein kleines Haus. So geht man dann also sein Bauprojekt durch und rechnet mal grob aus, was das so kosten müsste. Und irgendwann fällt einem auf, dass man die vermeintlichen Kleinigkeiten nicht eingerechnet hat. Schrauben, Bohrer, Sägeblätter und all die anderen Dinge, die man eben noch so braucht und die eigentlich gar nicht auffallen, gehen ganz schön ins Geld. Und schon kommen Zweifel auf, ob die Finanzen eigentlich bis zum geplanten Baubeginn schon in ausreichender Menge vorhanden sein werden, um zumindest außen fertig zu werden. Ganz ehrlich. Ich habe keine Ahnung, ob das was wird. Erst recht nicht, nachdem auch meine Finanzen während der Coronakrise eingebrochen sind.

Die Umstände

Dann wären da die äußeren Umstände, an denen man selbst nichts oder nur geringfügig etwas ändern kann. Wie sieht es mit den Nachbarn aus? Auch wenn ich ihnen noch so toll erkläre, was ich da vorhabe, so kann ich nicht beeinflussen, ob sie nicht doch etwas dagegen haben werden. Wenn dem so sein sollte, war die ganze Planung umsonst. Und ich kann daran nichts ändern, außer vielleicht den Bauplatz ein Stück nach innen auf das Grundstück zu rücken und eine große Hecke zu bauen, sodass die Nachbarn mein Mini Tiny House gar nicht erst sehen können. Und was ist mit dem Platz im Häuschen? Auch wenn ich Alternativen habe und im Haupthaus einen Keller mieten kann, so stellt sich eben manchmal die Frage, ob das Mini Tiny House nicht doch zu klein ist. Aber wer baugenehmigungsfrei bauen will, der darf sich davon nicht abhalten lassen.

Der Wille

Stehen dann diese ersten Zweifel im Raum, bröckelt schnell auch der eigene Wille. Will ich wirklich diese Mühen auf mich nehmen? Stehe ich überhaupt voll hinter meiner Idee, wenn ich daran zweifle? Oder bin ich dabei einfach bloß objektiv und realistisch? Und lohnt sich all das denn wirklich? Eine kleine Wohnung ist doch auch nett. Der eigene Wille kann einem so dermaßen schnell im Weg stehen und sich dort wirklich sehr breit machen, dass man auch schnell das Gefühl bekommt, dass sich die Mühe nicht lohnt und die Idee mit dem Tiny House einfach blöd war. Und gleichzeitig brennt man dafür, sie doch in die Tat umzusetzen.

Die Zukunft

Und schließlich wären da noch die Zukunftsgedanken. Ja, ich wohne alleine. Nein, ich habe keinen Partner. Aber wer sagt denn, dass das so bleibt? Zu zweit auf so engem Raum könnte unschön werden. Aber vielleicht geht das auch. Wenn wir nicht beide vom Wohnzimmer aus arbeiten, könnte es klappen. Bloß will der andere das überhaupt? Will ich das? Und was, wenn Kinder bei uns einziehen? Lohnt sich all die Mühe jetzt, wenn ich vielleicht schon in fünf Jahren wieder ausziehen muss? Was passiert dann mit meinem Häuschen?

Ich kann weder in die Zukunft sehen, noch weiß ich, ob meine Pläne wirklich in die Tat umgesetzt werden können. Aber am Ende sollten meine Zweifel mich nicht daran hindern, das zu tun, was ich will. Die ursprünglichen Pläne mögen sich ändern und das Bad zeigt dann eben doch nach Süden, statt nach Norden, aber dieses Mini Tiny House wird gebaut! Punkt. Bloß ab und zu brauche ich vielleicht jemanden, der mir sagt, dass ich das auch schaffen kann, selbst wenn ich gerade daran zweifle. Dann dauert es eben einfach länger, bis alles fertig ist. So schlimm ist das nicht.


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